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Auf der Königsetappe am Karnischen Höhenweg

Am Grat entlang, die Welt wortwörtlich zu Füßen.
Am Grat entlang, die Welt wortwörtlich zu Füßen.Schechtner
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Von einer Gratwanderung zwischen Genuss, Anstrengung und Gedenken an dunkle Zeiten.

Die Sonne hat die Welt hier oben in den Bergen in ein golden schimmerndes Licht getaucht, als es um sechs Uhr morgens mit Sack und Pack und einem Lob der Wanderer aus dem Ausland für den „Austrian spirit“ auf die nächste Etappe geht. Schauplatz ist der Karnische Höhenweg, der sich etwa 155 Kilometer an der österreichisch-italienischen Grenze erstreckt.

Rund 18 davon liegen zwischen Hochweißsteinhaus und Porzehütte, sofern man sich für die schwierige Variante – und für die als „Königsetappe“ bezeichnete Strecke über den Kamm entscheidet. Sie macht ihrer Zuschreibung alle Ehre. Am Grat entlang geht es durch abwechslungsreiche Landschaften. Zarte Alpenblumen schmücken zerklüftete Felswände, Murmeltiere pfeifen, wenn man ihrem Bau zu nahe kommt, Pferde grasen auf saftig grünen Wiesenrücken. Exponierte Stellen oder Passagen, die mit Drahtseil gesichert sind, erfordern hohe Konzentration und Trittsicherheit. Man bleibt ohnehin immer wieder stehen, genießt die Ruhe, staunt, lässt das imposante Panorama auf sich wirken.

Doch in den Höhenrausch mischt sich immer wieder ein beklemmendes Gefühl. Man wandert hier auf einer ehemaligen Frontlinie des Ersten Weltkrieges. Anno 1915 bis 1917 standen sich hier österreichisch-ungarische und italienische Truppen gegenüber. Schützengräben, Gedenktafeln und rostiger Stacheldraht erinnern an die dunklen Zeiten.

Die ehemaligen Versorgungswege wurden inzwischen zur „Via della pace“, zum „Friedensweg“ hergerichtet. Er soll heute ein Ort der Begegnung sein. Gleichgesinnten begegnet man auf dem beliebten Höhenweg so einigen. Auch sie sind der Meinung: Dort oben, auf den majestätischen Riesen balancierend, die Welt wortwörtlich zu Füßen, dort beschleicht einen wahrhaftig ein königliches Gefühl.

E-Mails an: barbara.schechtner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2022)


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