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Mein Freitag

Frühmorgens bei der Säge muss man an Putin denken

APA/BARBARA GINDL
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Wer jetzt kein Holz hat, lässt es reservieren. Von den Vorbereitungen auf den Winter.

Endlich dem Baustellenlärm der Stadt entkommen, weckt einen im ländlichen Idyll frühmorgens die Motorsäge. Der Nachbar zerkleinert eine riesige Menge an Brennholz. Putin fällt mir ein und: Ich brauche auch Holz. Die Holzstöße vor den Häusern sind imposant. Bei den Baumärkten weisen Schilder auf den Zeitpunkt der nächsten Lieferung von „Holz aus Niederösterreich“ hin. Über die Vorbereitung auf den Winter werden hier nicht viele Worte verloren. Man tut einfach.

Im Kino läuft „Top Gun: Maverick“ und man erhascht kurz sein jugendliches Ich, das in den späten 80er-Jahren Schlange stand vor der Kinokasse, um „Top Gun“ noch ein drittes Mal zu sehen. Die Zeitreise nimmt einen ein bisschen mit. Damals, der Kalte Krieg, und man glaubte an nicht viel, aber an Sting, der von der Hoffnung sang, dass „die Russen auch ihre Kinder lieben“. Textzeilen aus seinem Lied „Russians“ wurden auf die Schreibunterlagen in der Schule gekritzelt, als Beschwörung, für die anderen, für einen selbst: „There is no such thing as a winnable war.“

Sting ist alt geworden, älter zumindest als Tom Cruise, der in der Fortsetzung des Films fast so aussieht wie damals. Er trägt auch dieselbe Jacke. Der Feind ist namenlos geworden, Russen werden keine mehr vom Himmel geholt. In der Populärkultur verrät das Feindbild die Dekade: Nazis, Russen, Chinesen, Terroristen aus dem arabischen Raum, verrückte Einzelgänger mit Allmachtsfantasien. Naturkatastrophen und Viren. Immer gibt es ein Happy End. Auf dem Höhepunkt des Sommers will man nicht an Brennholz denken müssen.

Als das Unwetter der Hitzeperiode ein Ende bereitet, und die Jacke gesucht wird, die bei 36 Grad niemand eingepackt hat, atmen alle einmal kräftig durch. „Es ist gut, dass es einmal schlecht war“, sagt der Bruder, und jeder denkt an etwas anderes.


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