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Oberösterreich

Bedrohte Ärztin tot in ihrer Praxis aufgefunden

Jene Ärztin, die seit Monaten Todesdrohungen erhielt, wurde in ihrer Praxis tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft schließt ein Fremdverschulden aus.

Die Ärztin aus Seewalchen am Attersee ist tot. Sie wurde Freitagmorgen in ihrer Praxis aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft Wels schließt ein Fremdverschulden aus, wie eine Sprecherin gegenüber der „Presse“ sagt. Die gefundenen Abschiedsbriefe würden den Suizid bestätigen.

Seit Monaten erhielt sie Todesdrohungen, in ihrer Praxis kam es regelmäßig zu Zwischenfällen mit Personen, die sich als Patienten ausgaben. In mehreren Fällen wurden Messer abgenommen, Hausverbote ausgesprochen. Auf der Straße fühlte sie sich nicht mehr sicher und von der Polizei im Stich gelassen. Mehr noch, der Landespolizeidirektion (LPD) Oberösterreich machte sie den Vorwurf, für die Hetzjagd gegen sie mitverantwortlich zu sein.

Rückblick: Im November des Vorjahres schrieb die Ärztin auf Twitter, dass eine Demonstration mit Corona-Leugnern die Rettungsausfahrt der Klinik in Wels blockierte. Direkt darunter antwortete die LPD, dass es sich um Fake News handle. „Damit wurde ich von der Polizei zum Abschuss freigegeben“, sagte Kellermayr im Gespräch mit der „Presse“. Denn der Beitrag verbreitete sich in Impfgegner- und Coronaleugner-Gruppen rasant, ein Nutzer meinte gar: „Die Polizei ist mittlerweile schon auf unserer Seite.“ Ein anderer veröffentlichte Kellermayrs Adresse samt dem Aufruf, ihr zu schreiben und sie zu besuchen.

Monatelang Morddrohungen

Mehr als sieben Monate erhielt sie Todesdrohungen, in denen explizit ausgeführt wurde, wie sie und ihre Mitarbeiterinnen gequält und ermordet werden sollen. Regelmäßig wurde sie bei der Polizei vorstellig und bat um Hilfe. Doch es geschah nichts.

Ende Juni kündigte sie auf Twitter an, ihre Ordination „bis auf Weiteres“ zu schließen. Sie berichtete ausführlich von ihrem Martyrium, veröffentlichte die Todesdrohungen und wie sie, aus Angst vor tatsächlichen Übergriffen, ihre Praxis zu „meinem persönlichen Bunker“ umfunktionierte und eine Sicherheitsfirma engagierte.

Die über Monate anhaltenden hohen Kosten überstiegen die Einnahmen. Sie stand vor dem Konkurs, war aber, wie sie der „Presse“ Anfang Juli erzählte, zuversichtlich, wieder öffnen zu können. Wenige Wochen später dann die Nachricht, dass die Ordination geschlossen bleibt. Ein sicherer Praxisalltag könne nicht garantiert werden.

Ermittlungen dauern an

Dabei kam nach Bekanntwerden der vorübergehenden Schließung Bewegung in die Untersuchungen, nachdem sich die deutsche Cyber-Security-Expertin „Nella“ der Droh-E-Mails annahm. Binnen weniger Stunden will sie wichtige Indizien für den wahren Verfasser der Mails gefunden haben. Der Verfassungsschutz und das LKA Berlin wurden daraufhin aktiv und werden weiter ermitteln, auch nach dem Suizid der Ärztin, betont die StA Wels.

Am Freitagnachmittag haben sich Trauernde vor dem Gesundheitsministerium in Wien versammelt, um der verstorbenen Ärztin zu gedenken. Bundespräsident Alexander Van der Bellen rief in einer Twitter-Botschaft dazu auf, "dieses Einschüchtern und Angst machen" zu beenden: "Hass und Intoleranz haben in unserem Österreich keinen Platz. Finden wir am Ende immer einen Weg, friedlich miteinander zu leben. Stärken wir den Zusammenhalt".

„Zutiefst schockiert" zeigt sich die Österreichische Ärztekammer. Dieses tragische Ereignis würde in erschreckender Weise zeigen, welche Folgen Hass im Netz haben können, so Ärztekammerpräsident Johannes Steinhart in einer Aussendung. Schon seit Längerem sei das medizinische Personal in Spitälern und Ordinationen einer stetig steigenden Gewalt ausgesetzt.

Am Montag findet in Wien, organisiert von Daniel Landau, am Wiener Stephansplatz eine Mahnwache um 20 Uhr stattfinden. Auch in Wels, Linz und Graz sind ähnliche Veranstaltungen angekündigt.

Es gibt eine Reihe Hilfseinrichtungen und Anlaufstellen für Menschen in akuten Krisensituationen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

 

Telefonische Hilfe gibt es auch bei:

 

Kriseninterventionszentrum (Mo-Fr 10-17 Uhr): 01/406 95 95, kriseninterventionszentrum.at
Rat und Hilfe bei Suizidgefahr 0810/97 71 55
Psychiatrische Soforthilfe (0-24 Uhr): 01/313 30
Sozialpsychiatrischer Notdienst 01/310 87 79
Telefonseelsorge (0-24 Uhr, kostenlos): 142
Rat auf Draht (0-24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147
Gesprächs- und Verhaltenstipps: bittelebe.at

 

Hilfe für Menschen mit Suizidgedanken und Angehörige bietet auch der noch recht junge Verein „Bleib bei uns“. www.bleibbeiuns.at

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