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Wohngeschichte

„Wir haben sehr viel improvisiert“

Die Wohnung von Modedesignerin Kasia Baginska im siebten Wiener Bezirk war keine Liebe auf den ersten Blick. Das wurde erst nach einer umfangreichen Renovierung anders.

Die Wohnung der Modedesignerin Kasia Baginska liegt in der Neubaugasse, mitten im siebten Bezirk. „Wir sind im unteren Teil, fast angrenzend an die Josefstadt, umgeben von Handwerkern und kleinen Betrieben, die Shop und Werkraum an einem Ort haben“, erläutert Kasia Baginska. Mit Tischchen vorm Geschäft, an denen schon einmal ein Kaffee mit den Nachbarn getrunken wird. Mit anderen Worten: Man kennt sich untereinander.

Es ist ein kleines Wohngebäude, eher ein Arbeiter- als ein Herrenhaus, mit schmalen, gewundenen Treppen und hohen Fenstern im Stiegenhaus, bewohnt von lediglich acht Parteien mit einem überproportionalen Frauenanteil. Baginskas Wohnung verfügt über vier kleinere Zimmer und einen großen Salon, der aber vor zwei Jahren zu ihrer Werkstatt umfunktioniert wurde. So wie sich die Aufteilung der Räume bei der Modekünstlerin ständig verändert, je nachdem, was gerade gebraucht wird. „Fast jedes Zimmer ist schon mal ein Kinderzimmer oder Schlafzimmer gewesen. Ich probiere gern aus“, erklärt sie.


Zuschlag im zweiten Anlauf

Der siebte Bezirk war schon immer ihr Zuhause. Das ist vor allem ihrem Mann, dem Regisseur Manes Duerr, geschuldet: Er wuchs hier auf, seine Familie und sein Büro sind in Wien Neubau, hier wollte er bleiben. Zwei Jahre hat das Ehepaar in der Kirchengasse gewohnt, dann kam das Angebot für die Wohnung in der Neubaugasse. Sie war nicht ideal: Ohne Lift im dritten Stock und renovierungsbedürftig. „Wir sind rein, sind die Räume abgegangen, und beim Rausgehen dachte ich mir: ,Nein, sicher nicht!‘“ Dann meldete sich die Hausverwaltung nochmals. „Drei Monate mietfrei für die Renovierung plus ein kleiner Nachlass bei den Mietkosten lautete das Angebot.“ Sie sahen die Arbeit, aber auch Potenzial und Gestaltungsfreiheit. Im August unterschrieben sie den Vertrag, die Umbauphase dauerte fast fünf Monate.

Barbier

Als Erstes wurden die abgesenkten Decken und Laminatböden entfernt. Unter dem Laminat kamen wunderschöne Holzdielen zum Vorschein, die liebevoll mit Öl eingelassen wurden. Aus der winzigen Küche ohne direktes Sonnenlicht wurde ein Bad, das große Badezimmer mit Fenster in den ruhigen Innenhof zur Küche. Kastenfenster und Flügeltüren wurden restauriert, Wände gespachtelt und ausgemalt. Eine Herausforderung ist aber geblieben: der fehlende Aufzug. „Kinder, Einkäufe, Fahrräder und Kinderwagen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Kilo ich in den letzten zwölf Jahren die Treppe hinaufgetragen habe. Und nein, man gewöhnt sich nicht daran“, stellt Baginska klar.

Genau wie sich die Räume ständig ändern, wandert auch einiges an Möbeln rein und raus: Zurzeit findet man hier weiche Sofas, die umarmen, und Holztische, denen man ihre Jahre ansieht. Die geflochtenen, luftigen Lampenschirme harmonieren mit den weißen Baumwollvorhängen. Die Wände waren einst weiß, dann taubengrau, nun dominieren diskrete Grün- und Blautöne. Viel Platz ist den Grünpflanzen vorbehalten.

Bevorzugt Secondhand

Die meisten Stühle stammen vom Flohmarkt und von willhaben.at. „Ich kaufe sie und verkaufe sie wieder, wenn ich umgestalte“, erzählt Baginska. Der Schwedenofen – ein Geschenk der Schwiegereltern – stand jahrelang in Goldegg im Pongau. Nun ist er das zweite Herzstück der Wohnung, zumindest in den kalten Monaten. Bei einer Grillparty in der Krieau fand sie eine entsorgte Küchenkredenz. Sie wurde heimgeschleppt und schwarz gestrichen. „Sie war lange Zeit unser Geschirrschrank, später stand sie im Kinderzimmer und bewahrte Spielzeug auf. Dann wechselte sie zu einer neuen, überglücklichen Besitzerin.“

Barbier

Der Platz, an dem alle immer wieder landen, ist die Küche. Von dort blickt man in einen ruhigen Innenhof mit einem schönen Götterbaum. Es wird viel und oft gekocht und gebacken. Das Zuhause spiegele ihr Leben wider, sagt Baginska. Es sei eine Erweiterung unserer selbst, ein Ort der Geborgenheit, aber auch ein Platz für Neues und Veränderung. „Vor allem aber kommen wir hier zur Ruhe.“

Zur Person/Zum Ort

Die Designerin Kasia Baginska ist Visual-Merchandiserin und akademisch geprüfte Kulturmanagerin. Sie betreibt seit zwei Jahren das Label Lenslow in Wien Neubau (www.lenslow.net).
Eigentumswohnungen im Erstbezug kosten im siebten Wiener Gemeindebezirk durchschnittlich 6150 Euro/m2, für Mietwohnungen im Erstbezug muss man im Schnitt 13,30 Euro/m2 berappen.

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