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Nachruf

Wolfgang Mantl (83): Abschied von einem Universalgelehrten

Wolfgang Mantl (1939–2022).
Wolfgang Mantl (1939–2022).Arnold Kammel
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Der Jus-Professor und Berater wichtiger ÖVP-Politiker verstarb in Graz. Mehrere Reformen gingen auf seine Initiative zurück.

Er beriet etwa die früheren ÖVP-Chefs Alois Mock und Erhard Busek oder Steiermarks langjährigen Landeshauptmann Josef Krainer junior. Die Schaffung des ersten Landesrechnungshofs Österreichs in der Steiermark und Reformen in der steirischen Landesverfassung wie das Volksrechtegesetz gingen wesentlich auf seine Initiative zurück. In der Nacht auf Freitag ist der renommierte Politikwissenschaftler und Verfassungsrechtler Wolfgang Mantl (83) in Graz gestorben.

Der gebürtige Wiener forschte seit 1965 an der Universität Graz. Seinen Studenten gab der Professor auch gern über den Lehrplan hinausreichende Weisheiten mit. Das konnte von der Schilderung des Alltagslebens der Zweiten Republik bis hin zum Lob für Krawatten, die Prüflinge trugen (und leiser Kritik für jene, die ohne antanzten), gehen. Auch wer Mantl zufällig auf dem Gang der Universität traf, durfte jederzeit damit rechnen, im Vorbeigehen einen launigen Spruch des Professors zu ernten. „Er hat die Universität nicht als elfenbeinernen Turm aufgefasst, sondern die gesellschaftliche Verantwortung wahrgenommen“, erinnert sich gegenüber der „Presse“ der frühere ÖVP-Politiker Herwig Hösele.

Der CVer Mantl gründete die Grazer Schule der Juristenpolitologie. Noch im April dieses Jahres wurde er vom damaligen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer mit dem Ehrenring des Landes Steiermark ausgezeichnet. Mantls Sohn, Josef, ist Abgeordneter der ÖVP im Wiener Gemeinderat.

Styrifizierter Wiener und Europäer

Wolfgang Mantl sei „einer der letzen Universalgelehrten“ gewesen, sagt Hösele. „Vor allem war er auch ein warmherziger, den kulinarischen und önologischen Genüssen zugewandter, hilfsbereiter Freund mit barocker Breite, ein styrifizierter Wiener, ein glühender Österreicher und Mitteleuropäer.“


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