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Literatur

Kurz vorm Verhungern tut man fast alles

Else Feldmanns Reportagen belegen das Elend im Wien der Zwischenkriegszeit. 1942 wurde sie im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Das Cover von Else Feldmanns Buch aus der Edition Atelier zeigt drei Frauen in bunt-schäbiger Kleidung, die ein bisschen irr, jedenfalls beunruhigend dreinschauen. Auch der Titel „Flüchtiges Glück“ wirkt ambivalent. Er bezieht sich weniger auf jenes gemütliche „Das Glück ist ein Vogerl“ als auf das Leben der Arbeiter zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in Wien, für die das Recht auf ein Streben nach Glückseligkeit schlicht nicht vorgesehen war. 1884 geboren, wächst die jüdische Autorin in einer armen, kinderreichen Familie in Wien auf, muss später eine Ausbildung als Lehrerin abbrechen, um in der Fabrik zum Familieneinkommen beizutragen, und beginnt zu schreiben.

Else Feldmann blickt freundlich prüfend aus ihrer Fotografie heraus, die emphatische Neugier auf das Leben ist ihr anzusehen. Ihre „Reportagen aus der Zwischenkriegszeit“ ergeben ein tiefenscharfes Panorama aus jenem wirren, unübersichtlichen Schöpfungsmythos der Republik Österreich nach dem Untergang des Kaiserreichs.