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Interview

Daniel Serafin: „Nur: Ich mache alles anders“

Daniel Serafin: „Es allen recht machen ist ganz schlimm.“
Daniel Serafin: „Es allen recht machen, ist ganz schlimm.“Die Presse/Clemens Fabry
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Sänger hätte Daniel Serafin werden sollen, wäre es nach dem Willen seines Vaters gegangen. Heute ist er Kulturmanager und Intendant der Sommeroper im Steinbruch in Sankt Margarethen – und sehr froh darüber. Ein Gespräch mit einem Mann, der Harmonie liebt, aber nicht davor zurückscheut, Tacheles zu sprechen – mit seinem Vater, Künstlern und sich selbst.  »Nur: Ich mache alles anders«

Wie sehr nervt es Sie, wenn Sie auf Ihren Vater (Anm.: Harald Serafin, Bariton und ehemaliger Intendant der Seefestspiele Mörbisch) angesprochen und – noch schlimmer – mit ihm verglichen werden?

Daniel Serafin: Ach, ich werde dauernd auf ihn angesprochen und mit ihm verglichen. Ich habe mir auch keinen leichten Weg ausgesucht, denn jeder kennt gerade im Burgenland den Namen Serafin. Und ausgerechnet dort, nur wenige Kilometer von Mörbisch entfernt, hat sich ein Festival (Anm.: die Sommeroper im Steinbruch Sankt Margarethen) mich als künstlerischen Direktor ausgesucht. Ich muss mich also beweisen. Und es fragt mich täglich jemand: „Ja sag', wie geht es denn dem Vater?“ „Ich habe mit ihm heute noch nicht gesprochen“, antworte ich dann, „aber rufen Sie ihn doch an, wenn Sie seine Nummer haben“. Manchmal ist das schon nervend.


Wie haben Sie es geschafft, sich von Ihrem Vater zu emanzipieren? Er wollte ja, dass Sie wie er Sänger werden.

Familiär wurde ich immer – unbewusst – gedrängt, Künstler zu werden. In kleinen Dosen hat mir mein Vater den Gesang nahegelegt und gesagt, dass Sänger ein großartiger Beruf sei. Er erzählte mir, wie wichtig das Singen für ihn während der Kriegsjahre war, wie er sich durch dieses „Hinausschreien“ von all den dunklen Lasten befreien konnte. Nur: Ich hatte weder eine Last zu tragen noch brauchte ich Befreiung. Ich war ein glücklicher Bub, der allerdings in der Schule immer mit dem Beruf des Vaters geneckt wurde. Ich war auch immer ein Außenseiter und hatte wenig Freunde. Wie auch immer, ich ließ mich breitschlagen, es doch mit diesem Beruf zu versuchen, weil ich nämlich Talent und eine gute Stimme hatte. Dann begann der mühsame Weg mit dem Studium am Mozarteum in Salzburg, am Konservatorium Wien und an der Juilliard School in New York. Kurzum, ich habe das alles gemacht und bin froh darüber. Aber viel mehr noch freue ich mich darüber, mich fürs Kulturmanagement entschieden zu haben. Das ist meine Berufung.