Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wort der Woche

Alltag mit Maske

Nachdem Schutzmasken vor zwei Jahren in unser Alltagsleben eingedrungen sind, werden nun wissenschaftliche Zeitschriften von einschlägigen Studien regelrecht überschwemmt.

Vor gut zwei Jahren ist ein neuer Alltagsgegenstand in unser Leben getreten: die Schutzmaske. Laut einer chinesischen Forschergruppe um Bing Li wurden allein im ersten Coronajahr weltweit 450 Mrd. Masken in allen möglichen Ausformungen verbraucht (Science of the Total Environment 825, 153880). Das sind mehrere Mio. Tonnen potenziell infektiöser Plastikmüll. Ein gewichtiges Thema wurden die Masken seither auch in der Wissenschaft. So wurde z. B. vielfach untersucht, wie Masken das Ablesen von Gefühlen in Gesichtern erschweren: Dies betrifft nicht alle Emotionen gleichermaßen – Traurigkeit oder Überraschung werden auch mit Maske gut erkannt. Ausgiebig erforscht wurden weiters die Folgen des Masketragens für die Haut: Kurzfristig waren keine Schäden nachweisbar, bei monatelang täglichem Tragen verliert die Haut aber einen Teil ihrer Barrierefunktion, sie trocknet aus und verändert ihre Farbe.

Auch Hygiene ist ein großes Thema: Erst diese Woche veröffentlichten japanische Forscher um Ah-Mee Park Daten zur mikrobiellen Belastung von gebrauchten Masken. Demnach finden sich auf der Innenseite schon nach einigen Stunden unzählige Bakterien, die in der feuchten Umgebung wachsen und gedeihen. Großteils stammen diese von der Haut, gefunden wurden aber auch krankmachende Keime. An der Außenseite dominieren hingegen mikroskopisch kleine Pilze, die offenbar beim Einatmen angesaugt werden (Scientific Reports, 18. 7.).

Vom hygienischen Standpunkt aus gesehen sollte man die Masken also täglich wechseln – der Müllberg wird dann freilich noch größer. Eine malaysisch-chinesische Forschergruppe um Kuan Shiong Khoo schätzt, dass bestenfalls ein Drittel der gebrauchten Masken recycelt oder verbrannt werden (Journal of Hazardous Materials 417, 126108). Der Großteil landet auf Deponien oder gleich in der freien Natur, wo das Material mit der Zeit in Abermillionen Mikroplastikfasern zerfällt. Freigesetzt werden dabei auch Weichmacher, Farbstoffe oder Schwermetalle (Blei, Kupfer, Cadmium etc.).

Viele Forscher haben sich daher bereits Gedanken gemacht über ein umweltfreundlicheres Design, über ausgeklügelte Sammelsysteme und über Recycling. Neben einer (hygienebedingt problematischen) stofflichen Wiederverwertung gelten etwa Pyrolyse oder Vergasung zu Kohlenwasserstoffen bzw. Treibstoffen als brauchbare Optionen. Oder die Verwendung des fasrigen Maskenmaterials als Zuschlagstoff zu Asphalt.

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Wissenschaftskommunikator am AIT.

meinung@diepresse.com 
www.diepresse.com/wortderwoche