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Wissenschaft

Wie wir küssen lernten – und Herpes kriegten

Küssen war nicht immer so allgemein verbreitet wie heute.APA/AFP/MARTIN BUREAU
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Eine Studie zeigt: Das Virus geht in Europa auf die Bronzezeit zurück, wohl durch Migration aus Zentralasien.

Tiberius war ein früher Verfechter antiviraler Zwangsmaßnahmen: Keine Küsse auf öffentlichen Veranstaltungen, dekretierte der römische Kaiser, um die Ausbreitung dieser ungustiösen Wundstellen und Bläschen auf den Lippen zu bremsen. Heute wissen wir: Gefährlich ist Herpes simplex nur selten. Der Mensch ist sein einziger Wirt, weit über zwei Drittel von uns sind vom Lästling befallen, meist schon seit der Jugend, und er bleibt uns lebenslang erhalten. Meist latent, nur ab und zu, wenn das Immunsystem schwächelt, kriecht er zur Mundschleimhaut, reaktiviert sich und wirft Fieberblasen. Aber wie haben wir uns das eingebrockt?

Mit Herpes kann auch eine Mutter ihr Kind infizieren, aber viel leichter überträgt es sich durch „sexual-romantic kissing“, wie Wissenschaftler so hübsch sagen. Dieses Küssen auf den Mund ist alles andere als universal: Bei weniger als der Hälfte der alten Kulturen war es üblich, in manchen fand man es eklig. Nun haben Forscher in Cambridge mehr Licht auch in dieses Dunkel gebracht, indem sie erstmals alte Herpes-DNA sequenzierten (Science Advances, 27. 7.). Das Team um Meriam Guellil suchte breit danach, auf den Zähnen der Skelette von Tausenden europäischen Fundstätten.