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Kritik

Liederabend in Salzburg: Ein intimer Höhepunkt der Festspiele

Nächtliche Gänsehautwellen: Sopranistin Julia Kleiter, Bariton Christian Gerhaher und Pianist Ammiel Bushakevitz führten im Haus für Mozart Hugo Wolfs selten gehörtes „Spanisches Liederbuch“ auf.

„Eh' ich vergeh' / Blick' aus der Höh', / Du Königin der Sonnen!“, flehte Christian Gerhaher in Hugo Wolfs „Nun bin ich dein“ die Madonna verzweifelt an. Und siehe da, aus der Höh' kam tatsächlich eine Antwort – in Form eines blauen Luftballons, der hinter dem Sänger erhaben auf den Bühnenboden sank. Entflohen war er in der Probe vom „Barbier“, das Helium reichte genau bis zum richtigen Moment, um für himmlischen Trost zu sorgen. In „Herr, was trägt der Boden hier“ direkt im Anschluss meldete sich auch der Erlöser zu Wort. Julia Kleiter verkörperte mit ihrem klaren Sopran sowohl den verzweifelten Glaubenden als auch Jesus, der gütig alle Qual auf sich nahm.

Die zehn geistlichen Lieder aus Wolfs selten gespieltem „Spanischen Liederbuch“ sind ein drastisches Gegenbeispiel zu Carl Orffs düsterem Endzeitspektakel „De temporum fine comoedia“, das am Tag zuvor wieder in der Felsenreitschule bejubelt wurde. Beides religiöse Werke, doch Wolfs Lieder sind nach innen gewandte, tief menschliche Kleinode, während Orff das Animalische und Brachiale der Apokalypse auskostet.