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Die Menschen, die uns das Wetter erklären

Sie verkünden uns täglich, ob wir am nächsten Tag unter der Hitze leiden werden oder aufatmen können. Aber wie sehen sie die Zukunft des Klimas, und wie hat sich ihre Rolle gewandelt? Vier prominente Meteorologinnen und Meteorologen im Gespräch.

Das Wetter ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Und damit sind nicht die für eine Jahreszeit typischen Wetterphänomene gemeint. Dass es zum Beispiel zu heiß und zu trocken ist, als wir das gewohnt sind.

Das Wetter selbst hat seinen unschuldigen Charakter als Small-Talk-Thema verloren und reiht sich in die Liste an Themen ein, die Grund zur Sorge geben können. Früher war „über das Wetter jammern“ eher in die Kategorie Wohlstandsphänomene einzureihen – à la „Ausgerechnet, wenn wir auf Urlaub sind, regnet es“. Böse Zungen haben es gar als fixen Bestandteil des Wesens eines Bauern oder einer Bäurin gesehen. Aber heute ist das Jammern über das Wetter ein bisschen mehr geworden als Plauderei. Das Wetter wird nicht nur aus der Perspektive der Freizeitbeschäftigung oder der passenden Kleiderwahl für den Tag betrachtet. Vielmehr wird es eingebettet in das große Ganze, das Klima. Während früher Wetter und Klima strikt getrennt wurden, wird das eine heute nicht mehr ohne das andere gesehen.

Dazu tragen die immer häufiger auftretenden extremen Wetterereignisse bei, die uns deutlich machen, wie sehr sich das Klima verändert hat. Die Hitze macht das besonders stark spürbar. Während früher noch über heiße Sommertage gejubelt wurde, werden heute die Abkühlung und der Regen ersehnt. Und wer unter der Hitze leidet, fängt vielleicht an, darüber nachzudenken, woher die große Hitze kommt – war sie doch früher nicht in dem Ausmaß vorhanden. Vor 30 Jahren waren 30 Grad ein Temperaturrekord im Sommer. Heute gibt es Tage, an denen man froh wäre, hätte es nur 30 Grad und nicht über 35 Grad.

Lexikon

Meteorologie ist die Lehre der physikalischen und chemischen Vorgänge in der Atmosphäre. Zu ihr gehört die Wetterprognose genauso wie die Klimaforschung.

Wetter ist der aktuelle Zustand der Atmosphäre und somit immer eine regionale Momentaufnahme.

Klima beschreibt laut der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) den Zustand des Klimasystems über längere Zeiträume von Jahrzehnten bis zu erdgeschichtlichen Zeitskalen.


Vom Wetterfrosch zum Klimaexperten

Das hat auch die Rolle der Meteorologinnen und Meteorologen verändert. Wurden sie noch früher als Wetterfrösche oder Wetterladys belächelt, wird heute ihre Expertise geschätzt. Wobei auch sie – ähnlich wie die Virologen mit Coronaleugnern – hin und wieder mit Klimawandelleugnern zu kämpfen haben. Der bekannteste war zuletzt der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump. Natürlich gibt es immer noch Menschen, die meinen, das Klima habe sich immer schon gewandelt, und der Mensch habe damit gar nichts zu tun. Aber es wird immer weniger auf sie gehört.

»Es geht nicht darum, jeden Tag den Untergang zu predigen. «

Pierce Lange moderiert seit zwei Jahren das Vorarlberg-Wetter.

Stattdessen wird mehr auf jene Menschen gehört, die eine Expertise auf dem Gebiet der Meteorologie haben – und immer exaktere Prognosen stellen. „Früher wäre es nicht möglich gewesen, ganz Florida wegen einer Hurrikan-Warnung zu evakuieren“, sagt etwa der Meteorologe Marcus Wadsak, der die ORF-Wetterredaktion leitet. Die Prognosen werden genauer, was auch dazu führt, dass sie ernster genommen werden. Auch, weil der Schaden, der entstehen könnte, wenn man nicht auf sie hörte, zu groß wäre.

Wobei Wadsak darauf hinweist, dass eine kostenlose Wetter-App, die meist nur sehr ungenau rechnet, nicht mit der Arbeit von Meteorologen zu vergleichen ist, die mit mehreren Modellen arbeiten und ihr Wissen einfließen lassen. Die Wetter-App orientiere sich an einem speziellen Punkt. „Aber rund um diesen Punkt gibt es 50 Varianten, die sehen wir uns genau an.“

»Während dieser Hitzewelle spreche ich nur ungern von strahlendem Sonnenschein. «

Manuel Kelemen Meteorologe und Moderator beim Privatsender ATV.

Wenn Prognosen zu früh wahr werden

Die sich verändernde Rolle von Wettermoderatoren zeigt auch die jüngste Diskussion in sozialen Medien über die französische Moderatorin Évelyne Dhéliat. Sie hat 2014 in einer Sendung – mit Daten der Weltorganisation für Meteorologie – extreme Temperaturen für das Land im Jahr 2050 vorausgesagt, sollte der Klimawandel nicht eingedämpft werden. Auf ihrer Karte ist Frankreich tiefrot, 40Grad sind Standard, im Süden gar 43, selbst im sonst kühlen Norden müsse sich die Bevölkerung auf 26Grad einstellen. Frankreich kämpft allerdings bereits heuer mit einer massiven Hitzewelle. Die Prognose Dhéliats sei also Jahrzehnte vorher schon eingetreten, lautete der Tenor in sozialen Medien.