Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Studienergebnisse

Mehr Gehalt durch reiche Freunde

Arme Kinder, die in Nachbarschaften mit einem hohen Anteil an wohlhabenden Familien aufwuchsen, waren im späteren Leben erfolgreicher.
Arme Kinder, die in Nachbarschaften mit einem hohen Anteil an wohlhabenden Familien aufwuchsen, waren im späteren Leben erfolgreicher.(c) Getty Images (Chris Ware)
  • Drucken

Wer in Kindheitstagen Beziehungen zu wohlhabenden Familien pflegt, wird im späteren Leben besser entlohnt - im Schnitt um ein Fünftel. Dabei spielen Nachbarschaften eine Rolle.

Die finanziellen Verhältnisse, in die Kinder hineingeboren werden, bestimmen vorwiegend, wo sie als Erwachsene landen. Dabei gibt es Ausnahmen, an manchen Orten mehr als an anderen. Eine umfassende neue US-amerikanische Studie, basierend auf Milliarden von Social-Media-Verbindungen, erklärt, warum das Aufwachsen in bestimmten Gegenden eher einen Weg aus der Armut bietet. Dabei ist es nicht die Postleitzahl an sich, die den Unterschied macht.

Die Untersuchung - bisher die größte ihrer Art, erschienen im Fachjournal „Nature“ - ergab, dass es primär um das Ausmaß geht, in dem Arm und Reich miteinander verbunden sind. In manchen Stadtteilen gelingt das besser als in anderen. Arme Kinder, die in Nachbarschaften mit einem hohen Anteil an wohlhabenden Familien aufwuchsen, waren im späteren Leben erfolgreicher, ihr Einkommen im Durchschnitt um zwanzig Prozent höher.

Wirtschaftliche Verflechtung

Jene Freundschaften, die Forschende als wirtschaftliche Verbundenheit bezeichnen, haben demnach einen größeren Einfluss auf das spätere Leben als die Schulqualität, Familienstruktur oder die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen. Dem Forschungsteam der Harvard-Universität zufolge ist die Verflechtung ein besserer Prädikator für das Emporklettern auf der Einkommensleiter als jedes andere bisher untersuchte Attribut. So würden Menschen, die man kennt, Chancen eröffnen, die ohne diese Bekanntschaften aufgrund der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich oft verborgen blieben.

„Das Aufwachsen in einer Gemeinschaft, die über Klassengrenzen hinweg verbunden ist, verbessert die Ergebnisse der Kinder und gibt ihnen eine bessere Chance, aus der Armut herauszukommen“, sagt einer der vier Hauptautorinnen und -autoren der Studie, Wirtschaftswissenschaftler Raj Chetty, gegenüber der „New York Times“. 

Maßnahmen nicht ausreichend

Versuche, die Vielfalt innerhalb der Netzwerke zu erhöhen, etwa Schulbusse, die Ortschaften verbinden, oder einfache Mehrfamilienhäuser, würden nur bedingt Wirkung zeigen. Wichtig ist, ob tatsächlich Beziehungen aufgebaut würden, heißt es vonseiten der Forschenden. „Menschen, die daran interessiert sind, wirtschaftliche Verbindungen zu schaffen, sollten sich auch darauf konzentrieren, Menschen mit unterschiedlichem Einkommen dazu zu bringen, miteinander in Kontakt zu treten“, legt Johannes Stroebel, ein Co-Autor der Studie, gegenüber der „New York Times“ nahe.

Die Studie hat sehr wohl verdeutlicht, dass der Ort, an dem man lebt, diese Verbindungen fördern kann, was wiederum zu besseren wirtschaftlichen Resultaten führt. Auch würden Schulen hier eine wichtige Rolle spielen, so das Forschungsteam. Eine bessere Durchmischung der Gesellschaft wäre ihrerseits anzustreben.

(evdin)