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Salzburger Festspiele

Bartók, der Krieg und die Stille

Das Jerusalem Quartett sorgte mit seinem zweiten reinen Bartók-Abend im Mozarteum für einen weiteren Erfolg in der Reihe „Zeit mit Bartók“.

Für besonders schwelgerische Musikfreunde gelten langsame Mittelsätze oft als der eigentliche Höhepunkt eines Stücks, bei Béla Bartóks selbst erfundenen Brückenform ist das auch formal begründet. So umklammern in seinem vierten Streichquartett vier Partnersätze eine mysteriöse Nachtmusik, die an diesem Abend gar als das Zentrum des ganzen Programms wirkte. Das renommierte Jerusalem Quartet zitierte im Mozarteum Grillen- und Vogelgeräusche, die sich zu einem spannungsvoll-kühlen Klangteppich ausbreiteten; mit Mozarts Schlager verband das nur die evozierte Tageszeit. Davor erklang Bartóks zweites Quartett mit einem überraschend warmen, spätromantisch anmutenden Sound, danach das letzte Quartett des ungarischen Musikgenies, sodass die Symmetrie des Vierten (der erste und der letzte, sowie der zweite und der vierte Satz verwenden dasselbe Musikmaterial) auch in der Programmierung weitergeführt wurde.

Die Kommunikation der vier Musiker, die mit blaugelben Einstecktüchern auftraten, erinnerte an das Hagen-Quartett, indem sie sich kaum anschauten und Bartóks Dichtungen trotzdem wie auf einem perfekt abgestimmten Instrument namens Streichquartett spielten. Dichtungen sind sie nicht nur im poetischen Sinn, vielmehr wegen der schieren Menge an Ideen, Konzepten, Melodien und Spieltechniken, die er in seine ausgeklügelten Formen komprimiert. Spezifische Spielanweisungen, wie das „Bartók-Pizzicato“ (ein besonders hart gezupfter Ton, bei dem die Saite laut gegen das Griffbrett knallt) erinnern schon hier an die immer noch aktuelle Tendenz in der neuen Musik, aus altbekannten Instrumenten neue Klänge zu entlocken.