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Morgenglosse

Was macht eine Frau zum Mann?

Zum Fall des Film- und Popstars Demi Lovato: Die Idee der Genderfluidität kann paradoxerweise alte Geschlechterrollen neu verfestigen.

„Choose your pronoun!“, wird man unter Genderfluiden aufgefordert: Such dir dein Fürwort aus! Der Film- und Popstar Demi Lovato, mit weiblichem Geschlecht geboren, hat soeben verkündet, dass er es neu gewählt habe. Erst im Mai 2021 hatte Lovato bekanntgegeben, dass sie sich weder als Mann noch als Frau fühle und daher das Pronomen „they“ führen wolle; nun hat sie erklärt, sie wolle wieder als „she“ firmieren. Ihre Erklärung: 2021 seien ihre „maskulinen und femininen Energien ausgeglichen gewesen“, aber: „In letzter Zeit habe ich mich femininer gefühlt.“

Was Fragen nahelegt: Was sind maskuline Energien? Und was heißt es, sich feminin zu fühlen? Fühlt man sich da weicher, sanfter, fürsorglicher, passiver? Und als Mann? Fühlt man sich da härter, aggressiver, aktiver? Sind das nicht Geschlechterkonzepte, die wir schon überwunden wähnten?

Genau das ist das Paradoxe an der Idee der Genderfluidität: Sie konsolidiert Geschlechterrollen, gegen die die Frauenbewegung gekämpft hat. Die auch Buben und Männer einengen. Noch in den Sechzigerjahren musste ein Bub, der lieber mit Puppen als mit Autos spielte oder gar rosa trug und weinte, sich die Frage gefallen lassen, ob er denn ein Mädchen sei.

In einer genderfluiden Welt, wie sie Lovato vorschwebt, müsste ein solcher Bub sich das heute wieder fragen lassen – und selbst antworten: Ich will mein Pronomen ändern und als Mädchen gelesen werden. Womöglich mit der drastischen späteren Konsequenz einer körperlichen Geschlechtsumwandlung.

Geschlechterrollen können viel fluider sein, als viele heute (wieder) denken. Sie sind – im Gegensatz zum biologischen Geschlecht – durch Umwelt und Kultur geprägt, sie können sich ändern. Man kann sich als Mann weiblich fühlen und als Frau männlich. Und man sollte sich ab und zu fragen, was das eigentlich heißt.