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Deutschland

Anpfiff für den neuen Kapitän

Der Tiroler Marco Friedl ist im Kreis der deutschen Spielführer angekommen.IMAGO/Nordphoto
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Auf den Spuren von Herzog und Junuzović: Angeführt von ÖFB-Kicker Marco Friedl gibt Werder Bremen ein Comeback in der Bundesliga. Welche Rolle kann der Aufsteiger spielen?

Bremen. Der Mannschaftsrat hat sich für Marco Friedl entschieden. Wenn Werder Bremen nach einem Jahr Zweitklassigkeit am Samstag in die deutsche Bundesliga zurückkehrt, wird also ein Österreicher vorangehen. Mit der Übernahme der Kapitänsschleife hat der 24-Jährige aus Kirchbichl in Tirol sein Standing beim Traditionsklub noch einmal gesteigert. Nun soll Friedl als Abwehrchef dafür sorgen, dass Werder langfristig in der Bundesliga bleibt. Dort, „wo der Klub hingehört“, wie er sagt.

„Das ist schon mit einer der Höhepunkte, die ich bis jetzt erreicht habe“, erklärte Friedl, nachdem ihn sein Team zum Spielführer gewählt hatte. Womit er auch in guter Gesellschaft ist: Manuel Neuer (Bayern), Marco Reus (Dortmund) und Jonas Hector (Köln) führen die Riege der Kapitäne der deutschen Bundesliga an, eine namhafte Gesellschaft, der auch Union-Berlin-Veteran Christopher Trimmel angehört. „Eine Riesenehre, Kapitän eines so großen Klubs zu sein“, sagt Friedl.

„Alles miterlebt“

Seit Jahresbeginn 2018 spielt er für Werder. Nach den Bundesliga-Plätzen elf, acht und 16 samt geschaffter Relegation folgte 2021 der Abstieg – und nun gleich wieder der Aufstieg. „Ich habe alles miterlebt“, erzählt Friedl. Für ihn auch ein Grund für seine Kapitänswahl. „Sicher aber auch die Art und Weise, wie ich als Mensch bin.“

Die Werder-Profis – Trainer Ole Werner hat die Wahl der Mannschaft überlassen – vertrauen darauf, dass der ÖFB-Teamspieler weiterhin Bodenständigkeit verkörpert und stets ein offenes Ohr hat. „Mein Standing ist vielleicht jetzt noch um einen Tick höher. Ich versuche aber so zu sein, wie ich bin, wie ich die Jahre davor war, werde jetzt nichts anders machen“, meint der Innenverteidiger. Schon in der vergangenen Zweitligasaison hatte Friedl viel Verantwortung auf dem Platz übernommen. „Jetzt werde ich das noch ein Stück weit mehr versuchen, aber auch neben dem Platz.“

In Bremen wandert der Tiroler auf den Spuren von ÖFB-Rekordnationalspieler Andreas Herzog und Zlatko Junuzović, die einst ebenfalls Spielführer beim Verein waren. „Es ist schön, in einem Atemzug mit ihnen genannt zu werden“, sagt Friedl.

Herzog absolvierte von 1992 bis 2001 insgesamt über 300 Spiele für den Klub und erzielte 72 Tore. Gleich in seiner ersten Saison wurde er mit Bremen deutscher Meister, ein Jahr später Pokalsieger. Nach einem einjährigen Gastspiel bei Bayern München (1995/96) kehrte Herzog an die Weser zurück und gewann mit Bremen erneut den DFB-Pokal.

Junuzović spielte 2014/15 seine beste Saison bei Werder, als er die Meisterschaft als zweitbester Assistgeber abschloss. Hoch angerechnet wurde ihm, dass er danach trotz angeblich höher dotierter Angebote noch einmal einen Vertrag in Bremen unterschrieb.

Kein Abstiegskampf

Auch Friedl hat am 1. Juli seinen Vertrag langfristig verlängert und zog das bewährte Umfeld einem Transfer vor. „Im Verein ist wieder eine Aufbruchstimmung zu spüren, die ganze Stadt steht hinter dem Klub, es macht unglaublich viel Spaß, hier zu sein“, erzählt er. Diese Euphorie gelte es nach einer „intensiven Vorbereitung“ ins Oberhaus mitzunehmen. „Die Bundesliga zählt für mich zu den Top-drei-Ligen der Welt, ich bin heiß auf jedes Duell.“

Welche Rolle die Bremer spielen können, ist fraglich. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt und dass wir so wenig wie möglich mit dem Abstiegskampf zu tun haben“, sagt der Kapitän. Die Vorzeichen sind ab sofort jedenfalls gänzlich andere. „Vergangenes Jahr waren wir in fast jedem Spiel der Favorit. Jetzt werden wir sicher viele Spiele haben, in denen wir weniger Ballbesitz haben“, vermutet Friedl. Am Samstag (15.30 Uhr, Sky) geht es nach Wolfsburg, Friedls 77. Bundesligaspiel soll der Auftakt einer neuen Ära in Bremen sein.


[SOXWL]

(red.)