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Bayern

Zwei Jahre Haft für Ärztin wegen falscher Coronamasken-Atteste

Medizinerin im Raum Garmisch-Partenkirchen stellte mehr als 300 Atteste willkürlich aus und bekam offenbar auch „Spenden" dafür. Aufgrund mangelnder Schuldeinsicht keine Bewährung, zudem dreijähriges Berufsverbot

In Oberbayern ist eine Ärztin zu einer (noch nicht rechtskräftigen) Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, weil sie Hunderte Atteste, die deren Inhaber von der Coronamaskenpflicht befreiten, willkürlich ausgestellt hatte. Aufgrund mangelnder Schuldeinsicht der Angeklagten sei die Strafe auch nicht zur Bewährung ausgesetzt worden, erläuterte die Direktorin des zuständigen Amtsgerichts in Garmisch-Partenkirchen,  Christine Schäfer, am Freitag. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung legten Rechtsmittel ein. Die Hauptverhandlung hatte am Mittwoch stattgefunden.

Während der Pandemie hatten insbesondere Corona-Leugner und -Leugnerinnen häufig versucht, Befreiungen von der Maskenpflicht zu erhalten. Solche waren und sind aus medizinischen Gründen auch tatsächlich möglich - allerdings gab es bald viele Hinweise darauf, dass solche medizinischen Gründe nur vorgespielt wurden, vor allem aber, dass bestimmte Mediziner mit solchen Attesten überaus freizügig umgingen. Die besagte bayrische Ärztin etwa hatte laut Urteil solche Gesundheitszeugnisse ausgestellt, ohne die Patienten richtig untersucht zu haben. Insgesamt ging es um 309 Fälle.

Bei der Frau hatte es eine Hausdurchsuchung wegen der Vorwürfe gegeben. Trotzdem soll sie auch danach weiter falsche Bescheinigungen ausgestellt haben. Das Amtsgericht ordnete auch ein dreijähriges Berufsverbot an, das noch vor Rechtskraft des Urteils in Kraft trat. Außerdem wurden etwa 3000 Euro eingezogen, die die Frau für ihre standeswidrigen als „Spenden“ bekommen hatte.

Auflauf aus der Leugnerszene vor dem Gericht

Unterstützer und Unterstützerinnen aus dem Verschwörungstheoretiker- und Coronaleugnermileu hatten vor dem Verfahren in Garmisch über den Messengerdienst Telegram zum Prozessbesuch aufgerufen. Zeitweise versammelten sich mindestens 50 Personen vor dem Amtsgericht, nicht alle konnten in den Sitzungssaal. Es sei aber weitgehend ruhig geblieben, sagte eine Sprecherin des Gerichts, wenngleich in einem Radiobericht von teils tumultartigen Szenen die Rede war.

(DPA/APA)