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Salzburg

Wie soll man diesen Hanns Eisler nicht lieben?

Fremd im Paradies
In Wien fand er trotz internationaler Erfolge weder in den 1920ern noch nach 1945 eine Stellung: Hanns Eisler (1868-1962).
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Matthias Goerne und Markus Hinterhäuser begeisterten das Festspielpublikum für den hierzulande vernachlässigten österreichischen Exil-Komponisten.

Entfremdung, Vertreibung, äußeres und inneres Exil: Die Themen des Liederabends von Matthias Goerne und Markus Hinterhäuser sind leider heute noch aktuell. Wer hätte gedacht, dass die Lieder von Schubert, Schumann und Hanns Eisler nicht nur thematisch, sondern auch musikalisch so stimmig zusammenpassen! Es lag auch am warmen, reichen Klang, den der Intendant und der Starsänger vom vorangegangenen Schumann-Lied herüberretteten, der Wechsel von der Romantik zu „Hotelzimmer 1942“ aus den Hollywood-Gesängen Eislers war zunächst kaum bemerkbar. So stimmig blieb es den ganzen Abend lang, so dass das gespannte Publikum während der 80 pausenlosen Minuten kein einziges Mal zu klatschen wagte.

Eisler schrieb im kalifornischen Exil eine große Menge an Liedern, die meisten zu Texten Bert Brechts. Goerne nahm einige davon schon vor 25 Jahren auf; der junge Hoffnungsträger von damals erinnert mit seinem grau melierten Bart mittlerweile etwas an Orson Welles und hat leicht an stimmlicher Klarheit eingebüßt. Auch so zeigte er an diesem Abend, warum er neben Gerhaher seit Jahrzehnten als führend im Kunstlied gilt: Bei Schuberts Harfner-Gesängen schmiegte er sich körperlich und klanglich an den Flügel, bewegte sich mit der Musik, verschmolz mit ihr ganz. Goerne in seinem Element zu erleben, ist immer noch ein Erlebnis.