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Mein Samstag

In die Schweiz fahren – zumindest in Gedanken

Warum die EU toll ist, hohe Roaming-Gebühren aber noch besser sind.

Ich verstehe die EU-Skeptiker ja nicht wirklich. Sondern bin der Meinung, dass uns die Mitgliedschaft in diesem Bündnis viele Vorteile und viel Wohlstand gebracht hat. Aber abgesehen von Ökonomie und Politik: Auch subjektiv betrachtet hätte ich Grund genug, öfter einmal die Ode an die Freude anzustimmen. Offensichtlich wurde das zum Beispiel im diesjährigen Sommerurlaub, der gerade zu Ende gegangen ist (ja, ein bisschen tut's noch weh). Ich war heuer viel in Europa unterwegs: Nach Berlin mit dem Nachtzug, das Schlafwagenabteil war dank Interrail-Ticket relativ günstig (danke, EU). Dann ging es weiter nach Brüssel, um Freunde zu besuchen, die ich vor elf Jahren auf dem Erasmus-Auslandssemester kennengelernt habe (danke, EU). Nirgends musste ich mich mit fremden Münzen herumschlagen und überall konnte ich getrost Google Maps verwenden, ohne mich um teure Roaming-Gebühren zu sorgen (Sie wissen schon).

Überall, nur nicht in der Schweiz. Und plötzlich, ich muss es gestehen, habe ich die EU-Skeptiker ein wenig besser verstanden. (Nur ein Äutzerl, aber dennoch.) Denn kein einziger Tag in meinem mehrwöchigen Urlaub war entspannter als jener, an dem ich das Handy aus Angst vor horrenden Rechnungen konstant im Flugmodus hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als am Rhein-Strand stundenlang zu lesen, im Café einfach „Leute zu schauen“ und dem alten Pärchen eben zu vertrauen, wenn sie meinen, dass der andere Radweg viel besser und schöner ist (er war wirklich sehr schön!)

Ja, dieses Digital-Detox-Ding ist nicht neu. Es hat aber eben auch etwas für sich. Also habe ich mir vorgenommen, auch außerhalb der Urlaubszeit wieder öfter in die Schweiz zu fahren. Zumindest in Gedanken.

E-Mails an: teresa.wirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2022)