Skandinavien als "Modellfall" für moderne Demokratie

Skandinavien als
Skandinavien als "Modellfall" für moderne Demokratie(c) Reuters (Gleb Garanich)

Österreich liegt beim Demokratie-Ranking auf dem elften Platz. Einbußen durch Korruption, schlechte Werte bei Bildung.

Die Skandinavier sind die großen Sieger: Norwegen steht neu an der ersten Stelle des „Democracy Rankings 2009“. Die zuletzt führenden Schweden liegen auf dem zweiten Platz des Demokratie-Index, Finnland auf dem dritten Rang. Mit Neuseeland schaffte es überhaupt nur ein außereuropäischer Staat unter die Top Ten. Sieben der Staaten sind EU-Mitglieder. Am Ende der Rangfolge findet sich – knapp hinter der Zentralafrikanischen Republik – Äthipien, so das Ergebnis der Studie, die am Montag in Wien präsentiert wird und der „Presse“ exklusiv vorliegt. Erstellt wird das „Democracy Ranking“, ein internationales zivilgesellschaftliches Projekt, in Österreich.

Das Ranking kombiniert die Rangfolgen der US-Organisation „Freedom House“ und des Human Development Index der UNO, „um Demokratiequalität umfassender verstehen zu können“, sagt der Politikwissenschaftler David Campbell, wissenschaftlicher Direktor des „Democracy Rankings“. „Internationale Organisationen scheuen oft davor zurück, direkte Aussagen über Demokratie zu treffen, um nicht in Konflikt mit ihren Mitgliedstaaten zu geraten.“

Auch Wirtschaft, Gleichstellung zählen

Das Ranking ist noch umfassender: Außer der politischen Dimension (Gewichtung: 50 Prozent) fließt das Leistungsprofil „nicht politischer Dimensionen“ mit ein. Gemessen werden die wirtschaftliche Performance des Staates, der Zugang zu Gesundheit und Bildung sowie die Faktoren Umwelt und Geschlechtergleichstellung (je zehn Prozent). Denn: „Freiheit wird öfters mit konservativen Ideologien assoziiert, Gleichheit hingegen mit linkeren.“ Die nicht politischen Dimensionen sollen die subjektiven Einschätzungen zu politischen Werten ausgleichen. China und Russland wurden zu Vergleichszwecken erstmals in den Index aufgenommen, obwohl sie von „Freedom House“ als „unfrei“ geführt werden.
Österreich selbst findet sich im „Democracy Ranking“ nicht unter den Top Ten – es liegt, wie schon bei der Messung für das Jahr 2006 auf dem elften Rang. „Relativ höher“ schneidet Österreich bei Wirtschaft und Gesundheit ab. Weniger gut bei Bildung und Politik. In den Bereichen „Political Right“ und Korruption musste Österreich sogar Rückschläge hinnehmen. Noch schlechter steht es um die Gleichstellung.

Die nordischen Länder „definieren eine globale Benchmark für empirische bereits erreichte Demokratiequalität“, so Campbell. Auch Deutschland (siehe Grafiken) sei ein „Modellfall“, wie sich Demokratie „qualitätsvoll entwickeln“ lasse. Polen und Serbien sind die europäischen Länder mit dem größten relativen Fortschritt. Dass Demokratien aus Schwellenländern in einzelnen Dimensionen deutlich besser abschneiden als „traditionell westliche“ Demokratien, zeigt ein Blick auf Südkorea, Singapur, Israel und Kuwait. „Demokratie wird ein immer globaleres Phänomen“, so Campbell. „Und ist keineswegs ein Privileg alter Industrienationen.“

Global Democracy Ranking


Global Democracy Ranking

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2010)