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Mein Montag

Wir müssen ziemlich dringend über Nippel reden

Der Anblick weiblicher Brustwarzen stößt immer noch Diskussionen an. Sollten wir nicht weiter sein?

Auf der einen Seite lachen wir über die prüden Amerikaner, wenn bei Fernsehübertragungen bestimmte Wörter mit einem „Piep“ ausgeblendet oder weibliche Brüste mit schwarzem Balken versehen beziehungsweise durch Unschärfe unkenntlich gemacht werden. Auf der anderen regen sich hierzulande Menschen auf, wenn Schauspielerinnen bei den Salzburger Festspielen Kleidung tragen, durch die ihre Brustwarzen andeutungsweise zu sehen sind. Darüber sollten wir reden. Ja, Menschen haben Brustwarzen. Männer und Frauen. Um sie zu benennen, wird heute gern der Begriff Nippel verwendet. Wer allerdings im „Österreichischen Wörterbuch“ nachschlägt, wird unter diesem Eintrag nur „ein kurzes Verbindungsstück mit Gewinde an Rohren“ finden. Immerhin, der „Duden“ kennt neben dieser Bedeutung auch die weibliche Brustwarze, wenn auch mit der Anmerkung „salopp“ in Klammer. Das Lustige ist, dass die Bezeichnung für das Rohrstück wohl vom englischen Begriff „nipple“ abgeleitet ist, das so viel wie Brustwarze bedeutet. Und vermutlich geht das auf die gleichen Wurzeln zurück wie nippen, aber auch der Schnabel ist damit verwandt. Der Busen wiederum war früher nicht nur ein Begriff für die weibliche Brust, sondern im poetischen Sinn für die Brust im Allgemeinen – die genaue Herkunft des Wortes ist unklar, vermutet wird, dass am Anfang die indogermanische Wurzel *bh(e)u stand – also (auf)blasen oder schwellen, verwandt ist wohl auch die Wortgruppe um Bausch.

Damit zurück zum Anfang: Der Anblick einer Brustwarze birgt keine Gefahren – bei Männern regt sich ja auch niemand darüber auf. Er ist aber auch keine Einladung, sich in irgendeiner Weise sexistisch zu äußern. Und nein, Frauen sollen sich nicht verhüllen müssen, damit Männer nicht auf blöde Gedanken kommen. Traurig, dass man das überhaupt noch sagen muss.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com