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Interview

„Von Charkiw soll nichts übrig bleiben“

Eine durch einen Militärschlag zerstörte Brücke außerhalb von Charkiw, Ukraine. Täglich greift die russische Armee die Großstadt im Nordosten des Landes an.
Eine durch einen Militärschlag zerstörte Brücke außerhalb von Charkiw, Ukraine. Täglich greift die russische Armee die Großstadt im Nordosten des Landes an.REUTERS
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Autor Sergej Gerassimow berichtet über die zermürbende Zerstörung der nordostukrainischen Stadt. Die Angriffe dauern an, manche Stadtviertel sind unbewohnbar geworden.

Die Presse: Vor mehreren Wochen wurde die russische Armee vor die Stadtgrenze Charkiws abgedrängt. Ist das Leben der Einwohner damit sicherer geworden?

Sergej Gerassimow: Es ist „normaler“ als noch zu Beginn des Krieges. Allerdings sterben noch immer jeden Tag Menschen. Nachts schießen die Russen mit großen Raketen aus dem Gebiet Belgorod auf uns. Die Raketen schlagen ein und zerstören Häuser. Die Folgen sieht man am Morgen danach. Auch aus Grad- und Smertsch-Raketenwerfern schießen sie, auch damit können sie fast ganz Charkiw treffen. Ihre Artillerie kann nur noch die nördlichen Stadtteile erreichen – dafür ununterbrochen. All das führt dazu, dass sehr häufig Luftalarm losgeht. Manchmal mehrmals in der Stunde. Richtig still ist es so gut wie nie.

Das klingt zermürbend.

Das ist es. Die Lage wird psychologisch schwieriger. Mit jedem Tag gibt es mehr Zerstörungen. Das Ziel des Ganzen ist eindeutig: Die komplette Infrastruktur Charkiws soll dem Boden gleichgemacht werden. Kein Wasser, Strom, Gas, keine Fabriken, Unternehmen, Schulen – nichts soll mehr übrig bleiben. Es bleiben leere Gebäudegerippe, in denen niemand mehr leben kann.

Was bedeutet das für den Winter?

Man sagt uns, alles wird gut werden. Die Temperatur in den Gebäuden wird mehr als 16 Grad Celsius betragen. Aber wenn Wärmekraftwerke getroffen werden, und das ist schon geschehen, dann wird es in den Wohnungen wohl genauso kalt wie auf der Straße werden.

Wie sieht es in Ihrer Wohnung aus?