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Großarltal: Die Privatsauna in der Hütte, der Lift vor der Haustür

Großarl. Kaum durch die Holztür, gibt's eine Lektion im Einheizen: Scheitln einlegen, stapeln, Anzünder dazuwerfen. Den Luftregler des Ofens erst schließen, wenn's nur noch glost. Ob er nicht Sorge habe, wenn Unbedarfte in seinen nigelnagelneuen Chalets das ganze vor der Hütte gelagerte Holz verheizten? Nein, diese Öfen seien auf Nummer sicher konstruiert, sagt Sepp Fischbacher, der Besitzer des Almhüttendorfes am Ortseingang von Großarl, darauf habe er geachtet. Genauso darauf, dass sich die Sauna in jeder Hütte nach ein paar Stunden automatisch abschalte. Dass die Bodenheizung alle acht verschieden großen Häuser wohltemperiere. Oder dass man keinen schweren Schlüssel mit sich herumschleppen müsse, sondern eine Magnetkarte die Tür zur Stube öffne.

Einige Anlagen habe er sich angeschaut, sagt Land- und Forstwirt Fischbacher, und dann beschlossen, selbst so ein kleines Almhüttendorf zu bauen, wie sie jetzt überall in den heimischen Bergen boomen. Wenn der Grund schon vorhanden sei, der Kinderlift vor der Haustür liege, der den Gast ins eigentliche Skigebiet Großarl befördere.

Aber was heißt hier Almhütte? Der Begriff ist verfehlt, wenn er sich auf das klassische Modell bezieht: Einsam auf dem Juchhe. Geduckt gegen Berg und vor Lawinen. Der Boden aus rohen Bohlen, Küche und Stube mit klammen Fingern eingeheizt. Zum Waschen gibt's das Lavoir. Kein Strom, keine elektronische Zerstreuung. Es riecht nach Stall, nach Arbeit, nach schneefeuchtem Filz und Loden. Solche urigen Almhütten stehen im Großarltal etliche. Aber eben viele Etagen höher, im Sommer bewirtschaftet und ein Ziel der Wanderer, die diese unberührte Region sehr schätzen. Im Winter peilen die Skitourengeher die paar an, die nicht ganz eingeschneit sind. Die Almen gaben dem schönen Salzburger Tal, das am Schluss an den Nationalpark Hohe Tauern grenzt, seinen Namen: „Tal der Almen“.

Mit ihren Paten hat eine Almhüttendorf-Almhütte ungefähr so viel gemein, wie ein Paar genagelter Goiserer mit Goretex-Trekkingschuhen. Aber Atmosphäre und Idee verbinden: Gemütlich soll's sein. Und so werden viele Festmeter an Pongauer Altholz verarbeitet, jede Menge Rauriser Naturstein verlegt und Motive in Holzbalkone geschnitzt, damit die Gäste wissen, wo sie zu Hause sind. Die Professionisten zu finden ist nicht schwer, weil im Großarltal jedes Handwerk noch oder wieder gut vertreten ist.


Das tägliche Bauernbrot

Wie man so eine 2010er-Almdorfhütte bewohnt, ist eine Frage der Bequemlichkeit. Herd, Kühlschrank und Geschirrspüler wären ja da, aber Großarl zeichnet sich halt auch durch eine größere Dichte an guten Gasthäusern, Restaurants und Hotelküchen aus als vielleicht andere Alpentäler. Auch das feilgebotene Frühstück motiviert nicht zur Selbstversorgung, wo doch die Fischbachers selbstgemachte Marmeladen, frisches Brot und Joghurt vom Bauern in die Hütte liefern.

Will man denn gar nicht mehr vor die Haustür? Klar doch: Die Lifte der Skischaukel, die Großarl mit Dorfgastein verbindet, sind angeworfen, die Pisten aber nicht überlaufen. Richtig auf Tuchfühlung geht's derzeit nur im Dorf selbst. Dort zelebriert man einen Advent ohne Glumpert und Gedudel, sondern mit Sinn fürs Authentische: schöne Krippen, echte Volksmusik, Hirtenspiele. www.almdorf-grossarltal.at, www.grossarltal.info, www.salzburgerland.com Madeleine Napetschnig

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2010)