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Wenig Daten

Tierinfektionen mit Corona: Bei 26 Spezies gefunden

Dieser Tiger war im vergangenen Jahr in Jakarta positiv getestet worden.
Dieser Tiger war im vergangenen Jahr in Jakarta positiv getestet worden.(c) imago images/NurPhoto
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Forscher trugen Daten über Corona-infizierte Tiere zusammen, man sehe aber „nur die Spitze des Eisbergs". Nur manche Tiere können das Virus auf Menschen übertragen, andere lediglich auf andere Spezies oder Artgenossen.

Auch Tiere - von Katzen über Frettchen bis Gorillas oder Hirsche - können sich bekanntermaßen mit dem Coronavirus anstecken. Das ist kein Wunder, schließlich ist Sars-CoV-2 höchstwahrscheinlich von Fledermäusen auf Menschen gekommen. Immer wieder gab es seit dem Beginn der Pandemie kleinere und größere Forschungen zu Ansteckungen im Tierreich. 

Forscherinnen und Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed-Uni) und des Complexity Science Hub (CSH) Vienna haben nun erstmals internationale Daten zusammengetragen, um das epidemiologische Geschehen unter Tieren abzubilden. Wahrscheinlich sei SARS-CoV-2 in mindestens zwei Fällen von wilden Tieren am Huanan-Markt im chinesischen Wuhan auf Menschen übertragen worden, schreiben die Forscher im Journal "Scientific Data".

Dass es vom Menschen aus wieder ins Tierreich zurückschwappen kann, wurde erstmals im Februar 2020 bestätigt: Ein Hund in Hong Kong hatte sich durch seinen Besitzer mit dem Virus infiziert. Umfangreiche Daten zu Corona-Infektionen in der Tierwelt habe es bisher allerdings nicht gegeben, berichten die Forscher. Die "SARS-ANI" genannte Datensammlung soll nun ein klareres Bild der epidemiologischen Lage im Tierreich, dort vorkommender Varianten und Ansteckungswege sowie der Verbreitungsgefahr, die von Tieren ausgeht, ermöglichen.

Besonders anfällig: Großkatzen

Das Virus bzw. die Antikörper wurden in 26 Spezies, die zu 14 Tierfamilien gehören, entdeckt, berichtete Studienleiterin Amélie Desvars-Larrive. Die gefundenen Corona-Varianten ähnelten jenen, mit denen sich Menschen infizierten. Symptome konnten unmerkbar bis heftig ausfallen und ebenfalls jenen infizierter Menschen ähneln. Die Case Fatality Rate (CFR) oder Fallsterblichkeit, die angibt, wie viele mit dem Coronavirus infizierte Tiere einer Tierart sterben, sei niedrig. Die Zahl der gemeldeten Infektions-Events unter Tieren würde hingegen stetig steigen, ein Plateau sei aber sichtbar - wahrscheinlich, weil unter Menschen wie Tieren weniger getestet werde, meinte Desvars-Larrive.

704 Infektions-Fälle, wurden gemeldet, besonders viele in den USA. Keine Daten gibt es aus Österreich. "Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs", stellte Desvars-Larrive fest. Nicht nur die geografische Verteilung der Fälle, auch die betroffenen Tierarten lassen sich mit der Datensammlung nicht realitätsgetreu abbilden. So wurden etwa Nerze sehr häufig getestet, weshalb die Forscher hier 187 Infektions-Events zählten und eine Vielzahl an Varianten fanden. Sehr anfällig für eine Infektion seien hingegen etwa Großkatzen.

Manche Tiere können Virus auf Menschen übertragen

In 46 Prozent der Fälle steckten sich Tiere bei Menschen an, nur in 2,6 Prozent von anderen Tieren. In 51 Prozent der Fälle wurde der Ursprung der Infektion nicht bekanntgegeben. Dass sich Tiere von Menschen anstecken sei immer noch eine Seltenheit, warf Desvars-Larrive ein. Nur manche Tiere - etwa Nerze und Katzen - können das Virus auf Menschen übertragen, andere lediglich auf andere Spezies oder Artgenossen. Wieder andere - zum Beispiel Hunde - stecken sich zwar an, verbreiten das Virus aber nicht weiter. Worauf diese Unterschiede zurückzuführen sind, sei bisher nicht geklärt, so Desvars-Larrive.

Wenn sich Covid in Populationen frei lebender Tiere tatsächlich etablieren kann und dort zirkuliert, bedeutet das zumindest eine potenzielle Gefahr. Denn in den Tieren könnten ja auch neue Varianten entstehen, die dann den Menschen überraschen.

 

(APA/red.)