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Kulinarisch radeln heißt: Kilometer machen, aber ohne Leistungsduck.
Kulinarische Radtour

Mit dem Rad von Haubenküche zu Haubenküche

In Salzburg startet eine ebenso verführerische wie vernünftige Radreise. Auf Etappen des Tauernradwegs entlang von Haubenküchen.

Luxus und Radfahren waren zwei Begriffe, die traditionell wenig bis gar nichts miteinander zu tun hatten. Das war einmal. Radtourismus besteht nicht mehr nur aus asketischen Menschen, die sich auf langen Strecken abstrampeln, um sich dann mit dem Gaskocher am Campingplatz zu versorgen. Natürlich gibt es die auch noch, aber da wächst eine neue Klientel mit ganz anderen Prioritäten heran. Wer sich ein E-Bike für 5000 bis 10.000 Euro leisten kann, belohnt sich mit der eher gediegenen Einkehr und zieht das Wellnesshotel dem Zelt vor. Dass sich dank Elektromotor auch Ältere an gestandene Langstreckentouren wagen, mag diesen Trend noch unterstützen. 


Solche Erfahrungen macht auch Andreas Döllerer in Golling, bekanntermaßen einer der besten Köche im Land. „Zu uns kommen immer mehr Radfahrer und kehren bei uns ein.“ Kein Wunder, schließlich liegen Gasthaus, Restaurant und Hotel der Familie Döllerer direkt am Tauernradweg und haben alles, was Radler und Radlerinnen sich wünschen können. Kulinarik auf Vierhaubenniveau, Hotel und Spa. Was liegt also näher als eine solche Gourmetradltour von Salzburg aus entlang der Salzach Richtung Berge. Wer vorher sportlich unterwegs war, hat auch mehr von der Speisung und kommt auch ohne schlechtes Gewissen aus wegen der Figur und so weiter.

Vitus Winklers Küche und der Sonnhof sind das Ziel der letzten Rad-Etappe.
Vitus Winklers Küche und der Sonnhof sind das Ziel der letzten Rad-Etappe.(c) Mario Stockhausen

Immer nach Süden

Diese Radtour braucht nicht viel Anleitung, denn in Sachen Orientierung und auch, was sportliche Ambitionen angeht, ist es eine sehr einfache. Ein wenig bergauf verläuft es ja grundsätzlich, weil man flussaufwärts radelt. Aber das spürt man nur an wenigen Stellen wirklich. Die erste Etappe startet mitten in Salzburg bei der Staatsbrücke, wo man sich aussuchen kann, auf welcher Uferseite man südwärts radelt. Der Weg begleitet die Salzach bis zum Schloss Hellbrunn und dem Tiergarten, passiert die Mündung der Königsseer Ache und führt dann weiter auf der linken Seite vorbei am noblen Vorort Anif. Hallein mit seinem historischen Zentrum (Bürgerhäuser aus dem 13. Jahrhundert) wäre eine gute Station für eine Mittagspause. Im Zentrum gibt es etliche Kaffeehäuser. Gut versteckt ist hingegen die feine Genusskrämerei in der Gollingertorgasse neben der Salzachbrücke. Eine Adresse für Feinspitze.

30 Kilometer für den Anfang

Von Hallein schlängelt sich der Weg recht abwechslungsreich über Auwiesen an der Salzach entlang. In Kuchl könnte man auf die Seite wechseln, wo vor dem Zentrum noch ein beliebter Badesee liegt. Nach Kuchl verlässt der Radweg die Sal­zach, kreuzt auf der Oberweißenbacher Straße die Autobahn und kommt zu einer Siedlung, bei der es rechts am Torrenerhof vorbei zum Gollinger Wasserfall geht. Der mächtige Wasserfall im Bergwald ist eine Attraktion in der Gegend. Danach geht es auf der Wasserfallstraße weiter, man kreuzt wieder die Autobahn und kommt zur Salzach, die auf der Brücke gequert wird. Von dort sind es nur wenige Meter zur Gollinger Hauptstraße, dem Markt, wo auch Döllerer mit seiner Alpine Cuisine residiert. Mit diversen Pausen waren diese ersten 30  Kilometer eine entspannte Tagesetappe.

Für die Feinheiten aus Döllerers und Obauers Küche braucht es nicht einmal einen Umweg. Tipp: Reservieren.
Für die Feinheiten aus Döllerers und Obauers Küche braucht es nicht einmal einen Umweg. Tipp: Reservieren.(c) SalzburgerLand Tourismus


Beim Döllerer hat man die Wahl zwischen Wirtshaus und Haubenlokal, schläft ein paar Etagen weiter oben der nächsten Etappe entgegen. Und die führt südwärts, diesmal mit einem Abschnitt ohne Radweg auf der Straße. Nächste Station ist Werfen direkt unter der mächtigen Festung Hohenwerfen, die gut 900  Jahre alt ist und den Beinamen Erlebnisburg trägt, der Ausstellungen und der Falknerei wegen. Dorthin und zu unserer nächsten Gourmetstation sind es nur bescheidene 17 Kilometer. Da wär’s nicht nur fürs Gewissen gut, wenn man sich ein paar Kilometer mehr gönnt. Ausgesprochen sehenswert wäre der Ausflug von Golling in das idyllische Bluntautal. Die Bluntaustraße, die direkt bei der Salzachbrücke links abzweigt, führt in ein Naturschutzgebiet. Nach dem Parkplatz geht’s flach weiter, und es sind fast nur noch Wanderer und Radlerinnen unterwegs bis zum Bärenwirt und zu den Wasserfällen. Hier böte sich noch ein erfrischendes Bad im glasklaren Wasser des Bluntausees an. Oder eine steile Fortsetzung der Tour mit vielen Kurven hinauf zum Stahlhaus – etwas für echte Mountainbiker.

Am Salzachufer

Gemütliche Radler hingegen fahren wieder talauswärts, kehren zurück nach Golling und folgen dort der Straße zum Pass Lueg, einer der wenigen wirklichen Anstiege. Auf der Südseite rollt man dafür locker bergab, bis die Burg Hohenwerfen vor einem auftaucht. Direkt dahinter kommt man nach Werfen, wo der offizielle Tauernradweg in den Ort wechselt.


Ein paar Hundert Meter sind es, bis die modern verglaste Fassade des Restaurants der Gebrüder Obauer auftaucht. Über die Obauers und ihre regional ausgerichtete Küche muss man eigentlich nicht mehr viel erzählen. Köche des Jahrzehnts, fünf Gault-Millau-Hauben und Weltklasse seit Jahren. Müde und hungrig, freut man sich, dass man im Haus auch logieren kann. 


Unsere letzte Etappe auf dem Tauernradweg beschert nun typische Raderlebnisse, die offizielle Route führt mit etlichen Kurven und Ecken südwärts, begleitet kurz die Bahn und bleibt fast die gesamte Strecke direkt bei der Salzach. Das ist auch in Bischofshofen so, wo sich ein kurzer Abstecher durchs Zentrum hinauf zur Sprungschanze lohnt – recht eindrucksvoll.

Für den Fall, dass dem Bike das E ausgeht: Am Tauernradweg gibt’s Nachschub.
Für den Fall, dass dem Bike das E ausgeht: Am Tauernradweg gibt’s Nachschub.(c) © SalzburgerLand Tourismus


Wir sind ja jetzt im Pongau, und da sind die Leute tüchtig, daher wechseln sich flache Wiesen mit kleinen Gewerbegebieten ab. Auch rund um St. Johann im Pongau ist das so und bleibt bis Schwarzach, wo einen Autohäuser und Supermärkte am Salzachufer empfangen. Drinnen im Ort wird es schon gemütlicher, fährt man vorbei am Kardinal Schwarzenberg Klinikum und hat nun den Tagesendspurt nach St. Veit vor sich. Knappe drei Kilometer und 160 Höhenmeter sind jetzt auch nicht gerade die Großglockner Hochalpenstraße. Und ein wenig schwitzen und schnaufen darf schon sein, wenn man weiß, dass dann abends Vitus Winkler im Hotel Sonnhof kocht. Der Chef des Hauses, ausgezeichnet mit vier Hauben und bekannt für eine kreative regionale Küche, ist selbst ein begeisterter E-Biker. Vor dem Menü wär noch etwas Relaxen am Pool mit bestem Panorama Richtung Tauern angesagt. 


Diese Dreitagestour wäre ein ideales Programm für ein verlängertes Wochenende. Wie man zurück nach Salzburg kommt, ist dann eine Geschmacksfrage. Die Radstrecke wäre ein gefülltes Tagesprogramm ohne große Pausen. Oder man steigt unten in Schwarzach in den Zug. Oder man gönnt sich das gleiche Programm wie auf dem Hinweg. Eine Woche radeln und fein speisen. Könnte sein, dass man bei diesem Radurlaub auch zunimmt. Aber es gibt kaum bessere Anlässe, das eine oder andere Kilo zuzulegen. 

Auf einen Blick:

Am Tauernradweg.

Start: Salzburg, Ziel: St. Veit im Pongau, Länge: 85 KilomFaktbox (42d4ac8e)eter, Höhenunterschied: 350 Meter.

("Die Presse Schaufenster" vom13.05.2022)