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Der Autor als (gefährlicher) Politdilettant

„Archipel Gulag“ (hier in Putins Händen) trug zum Fall des Sowjetregimes bei. Heute gefallen Solschenizyns großrussisch-nationalistische Ansichten Russlands Präsidenten.
„Archipel Gulag“ (hier in Putins Händen) trug zum Fall des Sowjetregimes bei. Heute gefallen Solschenizyns großrussisch-nationalistische Ansichten Russlands Präsidenten.(c) AFP via Getty Images (JANEK SKARZYNSKI)
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Der Krieg in der Ukraine bringt engagierte Autoren: Tun wir gut daran, politischen Äußerungen aus der Literaturwelt besonders zu vertrauen? Eher ist Misstrauen angebracht − und bei den besten Künstlern oft das meiste.

Einige haben sie in den letzten Jahren vermisst, die sich in die Debatten unserer Zeit sprach- und wirkmächtig einmischenden „Intellektuellen“. Während sie hierzulande fast ausgestorben sind, könnte man meinen, dass sie in der Ukraine jetzt eine traurige Blütezeit erleben. Zumindest hört das westliche Ausland stark auf ukrainische Autorinnen und Autoren: ob sie nun Serhij Zhadan (diesjähriger Friedenspreisträger), Oksana Sabuschko, Jurij Andruchowytsch oder Andrej Kurkow heißen. Ein Typus scheint dort wieder – oder noch – lebendig: der des politisch engagierten Autors.

Und damit kommen alte Fragen wieder auf, wenn etwa Andrej Kurkow den Boykott der russischen Kultur für nötig hält oder Oksana Sabuschko über die ukrainische Identität spricht: Ist es berechtigt, wenn wir politischen und moralischen Äußerungen von Dichtern besonders vertrauen? Können sie – in jedem Sinn – besser denken und urteilen, weil sie besser formulieren können? Haben sie eine moralische Sonderkompetenz, nur weil sie eine ästhetische haben?