Mit einem interdisziplinären Team auf dem Karriereweg? Antworten gab ein »Start Europe«-Panel beim ESTC Innovation Seed Camp.
Ohne die richtigen Leute funktioniert die beste Geschäftsidee nicht. Ob einem Start-up nachhaltiger Erfolg beschieden ist oder nicht, entscheidet sich oftmals schon während der Gründung und in Abhängigkeit von der richtigen Mitarbeiterauswahl. Doch wie findet ein Unternehmensgründer die passende Mannschaft, und welche Geheimnisse stecken hinter der Führung eines interdisziplinär zusammengestellten Teams?
„Das Wichtigste ist, dass man zu einer gemeinsamen Sprache findet und dass jeder Respekt vor der Leistung und dem Teambeitrag des anderen hat“, meint Tamás Locher, Gründer der Onlineplattform für Designer Garmz.com. Die Bedeutung der internen Kommunikation streicht Christian Hauser vom Schweizer Institut für Entrepreneurship hervor: „Der durch gute Kommunikation erarbeitete Zusammenhang im Team stellt den wesentlichen Erfolgsfaktor dar. Das ist in interdisziplinären Gruppen besonders wichtig, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass selbst einfachste Begriffe von Personen verschiedener Fachgruppen gänzlich anders interpretiert werden. Unter ,Qualität‘ versteht etwa ein Ingenieur die technischen Eigenschaften eines Produkts, aber der Marketer die am Konsumentenbedarf orientierte Markttauglichkeit.“
Gemeinsames erreichen
Dass ein Miteinander im Grunde nicht eine Frage der gemeinsamen Fachdisziplin ist, betont Martin Eder, Innovationsmanager bei Kapsch TrafficCom. „Es kommt auf die gemeinsame ,Attitude‘ an und nicht notwendigerweise darauf, ob Fachausbildung und Berufshintergrund der Mitarbeiter kohärieren.“ Das glaubt auch Business Angel Manfred Reichl: „Die größte Gemeinsamkeit jedes Teams ist der Wille, ein vom Leader gestecktes Ziel so schnell wie möglich zu erreichen.“ Dazu braucht es zunächst eine gemeinsame Unternehmenskultur, die es einzelnen kreativen Mitarbeitern auch erlaubt, Fehler zu machen. „Die ,Intrapreneure‘ treiben das Projekt vorwärts. Was aber nicht bedeutet, dass jeder im Team ein Interpreneur sein muss“, so der ehemalige Senior Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Chief Mentor des Weltwirtschaftsforums in Davos.
Auf die Frage, wie sich die richtigen Leute für ein Start-up-Projekt finden lassen, unterscheiden die Experten je nach Entwicklungsphase des Unternehmens. „In der Gründungs- und Frühphase funktioniert die Rekrutierung oftmals über das Netzwerk von Freunden und Familie. Wesentlich ist, dass man sich miteinander einfach wohlfühlt“, erklärt Hauser. Wächst das Unternehmen, seien in der Folge professionellere Strukturen und Personalkanäle gefragt. Was die Führung und Entwicklung der Teammitglieder betrifft, empfiehlt Tamás Locher eine Politik des „Let them go“. „Basierend auf einer guten Auswahl der Mitarbeiter sollte man diesen in der Folge auch das Vertrauen schenken, sich in ihrem Fach selbst zu entfalten.“ Und ihnen dabei die Chance geben, „Stars“ zu werden. „Das treibt die Menschen in Start-ups viel mehr an als monetäre Motivationen“, ist Eder überzeugt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2010)