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Umwelt

Gießen Sie Stadtbäume?

Stadtbäume haben aktuell mit der Hitze zu kämpfen.
Stadtbäume haben aktuell mit der Hitze zu kämpfen.(c) Die Presse/Clemens Fabry
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Würden nur ein paar Stadtbewohnerinnen und -bewohner einen Baum vor ihrer Haustür „adoptieren“ und versorgen, könnte das einer Vielzahl an Bäumen das Leben retten.

Um zu gedeihen, brauchen Stadtbäume wöchentlich mindestens fünfzig Liter Wasser. „In heißen Sommern sogar mehr“, so Rita Silva vom Freiburg Institute of Advanced Studies und der Young Academy for Sustainability Research der Universität Freiburg in einer Mitteilung. Sie forscht unter anderem zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Stadtgrün.

Die aktuelle Hitze, die in weiten Teilen Europas, auch Österreichs, herrscht, würde den Bäumen in Städten ihr täglich Brot verwehren. In Wien schätzt man die Zahl der vertrocknenden Bäume auf 1000 bis 3000, bereits in den vergangenen Jahren haben viele die Trockenheit nicht überlebt. Grund dafür ist eine mangelhafte Betreuung. So hat etwa das Start-up Treecycle ein Ökosystem geschaffen, das fähig ist, sich selbst zu bewässern. Davon stehen bisher aber nur ein paar einzelne in Wien. Indessen steigt die Zahl der Hitzetage von Jahr zu Jahr. Die Universität Freiburg ruft deshalb zur dringenden Hilfe auf.

Als Lösung schlagen die Forstwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler das Konzept des „Adoptivbaums“ vor. Einwohnerinnen und Einwohner könnten einen Baum in ihrer Nähe auswählen und unter ihre Fittiche nehmen. Mit mindestens fünf Gießkannen Wasser sollten sie diesen dann pro Woche versorgen. Dabei sollte tendenziell morgens oder abends, wenn es kühler ist, gegossen werden. „Damit der Baum so viel Wasser wie möglich aufnehmen kann, bevor es verdunstet“, erklärt Jürgen Bauhus von der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Universität Freiburg in einer Mitteilung.

Langsam sollten die Bäume dabei gegossen werden, sodass das Wasser einsickern kann, statt oberflächlich auf versiegelten Flächen abzufließen. „Wir können es uns nicht leisten, Stadtbäume zu verlieren und sie dann wieder neu zu pflanzen. Wir brauchen sie jetzt, um die Städte zu kühlen“ warnt Bauhus. Da wundert es einmal mehr, dass die Stadt Wien erst kürzlich eine 18 Meter hohe Esche gefällt hat.

Anfälligere Bäume

Wassermangel und Hitze lassen Pflanzen anfälliger werden. Ohne Wasser im Boden seien sie irgendwann nicht mehr in der Lage, ihr Blätterwerk zu kühlen. „Wenn Straßenbäume erst einmal gestresst sind, ist es für sie schwierig, sich wieder vollständig zu erholen“, sagt Silva. Das betrifft durchaus auch Bäume, die wegen ihrer Widerstandsfähigkeit für städtischen Raum auserwählt wurden, etwa Platanen. 

Auch sind sie dann anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Wassermangel würde sich optisch außerdem nicht immer direkt bemerkbar machen, liest es sich in der Mitteilung der Universität. Bäume, die intakt aussehen, könnte das Fehlen der Flüssignahrung bereits zugesetzt haben, so Bauhus. Während das Vertrocknen eines Rasens weniger Problem darstellt, dieser wächst im nächsten Frühjahr nämlich einfach wieder nach, sind abgestorbene Bäume nur schwer zu ersetzen. Bis ein neuer nachwächst, dauert es Jahrzehnte. 

(evdin)