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Morgenglosse

Graz wird nicht Istanbul werden

Sturm Graz lud 1000 Ukraine-Flüchtlinge zum Champions-League-Spiel gegen Kiew ein. „Putin“-Rufe wie bei Dynamos Auftritt bei Fenerbahce Istanbul blieben trotz der Niederlage aus.

Österreich muss vor Fußballklub Sturm Graz und seinen Fans den Hut ziehen. Nicht nur, weil beide im Duell um den Einzug ins Champions-League-Playoff gegen Dynamo Kiew vor ausverkauftem Haus ein beeindruckendes Schauspiel abgeliefert haben. Sondern, weil an diesem Abend auch Nächstenliebe und Solidarität vorgelebt worden sind.

Wurden Kiews Spieler in der Runde zuvor in Istanbul noch von Fenerbahce-Anhängern laut mit entbehrlichen „Putin“-Chorälen bedacht, erlebten die Ukrainer jetzt in der Steiermark, was Fairness wirklich sein kann. Weil kaum Gäste-Karten verkauft wurden, lud Sturm Graz kurzerhand 1000 Ukraine-Flüchtlinge aus Wien zum Spiel ein.
Frauen und Kinder machten also Stimmung, man hörte zarte „Dynamo“-Rufe. Man sah die „Stop War“-Banner der Uefa, es fiel kein befremdlicher Spruch. Das war für sie und Kiews Spieler sicher ein Erlebnis. Sturm-CEO Thomas Tebbich sah die „soziale Verantwortung“ seines Klubs zu Recht erfüllt.

Vielleicht macht dieses Beispiel in ganz Österreich ja Schule – und Schimpftiraden wie vollkommen sinnbefreites Stadion-Geheul verstummen? Ein frommer Wunsch.

Eigentlich hatte Sturm genug Gastgeschenke verteilt. Das 1:2 nach Verlängerung und das Ausscheiden war unnötig, der Abstieg in Europa League drückte auf das Gemüt. Es erfüllt jedoch ein gängiges, ja: klassisch-österreichisches Narrativ. Große Spiele gehen viel zu oft verloren. Warum?