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Pharma

Preiseingriff in USA: Werden Medikamente bei uns bald teurer?

Medikamentenpreise
Ein Preisdeckel auf US-Medikamente könnte auf Kosten der Preise in anderen Regionen gehen.(c) Getty Images (John Phillips)
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In den USA soll es erstmals eine Preisregulierung für Arzneimittel geben. Das könnte Innovationen hemmen. Auch die Preise in Europa könnten deshalb steigen, warnt IHS-Ökonom Thomas Czypionka.

Die Pharmalobby hat viel zu sagen in den USA. Die Industrie ist politisch bestens vernetzt, ist einer der größten Spender von beiden großen Parteien – der Republikaner sowie der Demokraten. In der Vergangenheit hat sich das großzügige Engagement in die amerikanische Politik bestens rentiert. Die USA haben weltweit die höchsten Medikamentenausgaben pro Kopf, nirgendwo sonst auf der Welt wird so viel verschrieben wie im Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten.

Rein wirtschaftlich hatten vergangene US-Regierungen allen Grund, die Pharmaindustrie zu hofieren, 2021 wurde mit verschreibungspflichtigen Generika und Originalpräparaten weltweit fast eine Billion US-Dollar umgesetzt. Mit einem Marktvolumen von mehr als 500 Milliarden Dollar sind die USA mit Abstand der bedeutendste Pharmamarkt. Sechs der zehn weltweit größten Pharmaunternehmen haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten.

Denkzettel an Pharmaindustrie

Mit der jüngsten Gesetzesvorlage, die am Sonntag den US-Senat passierte, erhielt die amerikanische Pharmabranche „einen ersten, kleinen Denkzettel“, wie die „NZZ“ jüngst titelte. Demnach soll die Preisgestaltung bei rezeptpflichtigen Medikamenten schon bald eingeschränkt werden. Nach zähen Verhandlungen ist das Paket zwar nur noch ein Bruchteil dessen, was der US-Präsident für Klima und Soziales eigentlich durchsetzen wollte. Dass man sich damit den preislich bisher völlig unregulierten Markt vornimmt, ist aber auch ein klares Signal in Richtung der Pharmariesen.

Die staatlichen Interventionen bei der Preisgestaltung von Medikamenten bedeuten in den USA ein Novum. In der Vergangenheit hat sich die US-Pharmabranche immer wieder erfolgreich gegen solche Versuche gewehrt. Bei zu geringen Einnahmen könne man die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente nicht mehr decken, so das Argument der mächtigen Branche. Tatsächlich investiert die Branche nirgendwo sonst auch nur annähernd so viel Geld in Forschung und Innovation. Den Großteil der ökonomischen Forschungszeche bezahlte die eigene Bevölkerung über lokal hohe Preise.

Den geplanten Eingriff der US-Politik sieht IHS-Gesundheitsökonom Thomas Czypionka teils kritisch. Es bestehe die Gefahr, dass somit Investitionen reduziert werden. „Ohne die höheren Preise sind hohe Margen schwieriger zu realisieren.“ Vor allem während des Patentschutzes seien diese aber „ein wichtiger Anreiz, das hohe Risiko der Medikamentenentwicklung und deren hohe Kosten in Kauf zu nehmen“.

Hohe Medikamentenpreise als Politikum