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Bernd R. Bienert hat für 2022 „Tod der Dido“ und „Il maestro di cappella“ ausgewählt.
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Musiktheater

Im Bann barocker Emotionen

Bernd Bienert und sein Teatro Barocco bringen unbekannte Preziosen aus der Barockzeit auf die Musiktheaterbühne.

Für Opernkenner gehören die Premieren des Teatro Barocco von Bernd Roger Bienert längst zu den Fixpunkten im Aufführungskalender. Für diesmal gibt es am 20. August in der Burg Perchtoldsdorf und am 2. September im Schönbrunner Schlosstheater einen Einblick in die musiktheatralischen Welten der Mozart-Zeit. Für Musikfreunde im 21. Jahrhundert scheint es ja keinen Zweifel zu geben, wer der führende Meister jener gewesen ist – nicht nur in Sachen Oper.


Die Zeitgenossen sahen die Dinge differenzierter. Ihnen galt ein Mann wie Domenico Cimarosa als mindestens so bedeutend wie Mozart – und tatsächlich konnte sich das eine oder andere Werk des Opernmeisters aus Neapel über die Jahrhunderte im Gedächtnis der Musikwelt halten: Allen voran die fein geschliffene Opera buffa „Der Musikmeister“ („Il maestro di cappella“), eine der brillantesten musikalischen Komödien überhaupt.
Die diesjährige Stagione des Teatro Ba­­rocco bietet die Gelegenheit, dem hinreißenden Werk in einer nicht nur musikalisch, sondern – wie gewohnt bei dieser Compagnie – auch optisch der historischen Wahrheit angenäherten Version zu erleben. Für einen ganzen Abend aber braucht es bei diesem Cimarosa-Werk eines Zwillingsstücks. Abendfüllend wird die Premiere durch eine veritable Erstaufführung. Ignaz Holzbauers „Tod der Dido“ ist hierzulande noch nie gespielt worden. Doch ist die Tragödie das Werk eines der meistgespielten Opernkomponisten seiner Zeit, der noch dazu aus Wien stammt: Holzbauer kam 1711 zur Welt, wurde – gegen den Willen seines Vaters – im Domchor zu St. Stephan musikalisch sozialisiert und wuchs unter den Fittichen des großen Johann Joseph Fux zu einem kundigen Komponisten heran. Seine Lehre absolvierte Holzbauer dann in Venedig, wo er die Musik der großen Zeitgenossen von Vivaldi bis Galuppi studierte. Weit gereist und hochgebildet, gelangte Holzbauer 1753 nach Mannheim. Dort wirkte er für fast drei Jahrzehnte als Hofkapellmeister, prägte also – nicht zuletzt mit seiner vorbildhaften deutschen Oper „Günther von Schwarzburg“ (1777) einen musikalischen Stil mit, der sich bald als essenzielle Quelle auch für die Wiener Klassik entpuppen sollte: „Geist und Feuer“ hätte Holzbauers Musik, so berichtete Mozart anlässlich seines Besuches in Mannheim. Grund genug, sich endlich auch in Holzbauers Heimatstadt mit dessen Musik auseinanderzusetzen.