Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Französischer Zeichner

"Kleiner Nick"-Zeichner Sempé gestorben

Sempé 2019.
Sempé 2019.(c) APA/AFP/MARTIN BUREAU (MARTIN BUREAU)
  • Drucken

Jean-Jacques Sempé war ein französischer Meister des feinen Strichs. Bekannt wurde er durch die Reihe "Der kleine Nick“ - und viele "New Yorker"-Titelseiten.

„Ich denke, dass ich ein Humorzeichner bin“, hat Jean-Jacques Sempé seine Arbeit einmal beschrieben. „Und ich mag diese Idee sehr. Manchmal kommen Leute daher und sagen: ,Aber nein, das, was Sie machen, ist besser als humoristische Zeichnungen.‘ Bloß gibt es für mich nichts Besseres als die humoristische Zeichnung.“

Über 40 Bildbände und eine Geschichte, die fast jeder kennt: "Der kleine Nick". Sempé hat die Figur zusammen mit dem 1977 verstorbenen René Goscinny erfunden. Die verrückten Einfälle des Dreikäsehochs haben sich millionenfach verkauft und sind in über 30 Sprachen übersetzt. Sempé gehörte zu den bedeutendsten Zeichnern und Karikaturisten Frankreichs. Am Donnerstag ist der als schüchtern und bescheiden geltende Künstler gestorben.

Seit 60 Jahren versuche er humorvolle Zeichnungen zu entwerfen. Leider habe er das Ziel noch nicht erreicht, sagte der Künstler anlässlich seines kommende Woche bevorstehenden 90. Geburtstags in einem Interview. Deshalb erzählte und illustrierte der Franzose, mit dessen Werke mehrere Generationen groß geworden sind, unermüdlich weiter.

Erst Ende 2020 hat Sempé mit "Garder le cap" (Kurs halten) einen neuen Bildband herausgebracht. Darin gab er sich wieder als unvergleichlicher Beobachter unserer Zeit. Den Titel habe er deshalb gewählt, weil jeder ein Ziel haben sollte - gleich ob Bäcker oder Forscher, erzählte er in dem Gespräch mit der Regionalzeitung "L"Alsace" weiter. Seines ist klar: Er wollte seit 60 Jahren die Menschen mit Geschichten über unsere großen und kleinen Fehler zum Lachen und Schmunzeln bringen.

Mit Poesie den Alltag festgehalten

Dabei ist Sempés Stil unverkennbar. Fröhlich oder melancholisch, farbig oder schwarz-weiß, mit oder ohne Bildunterschrift: Seine Illustrationen machen mit viel Poesie den Alltag sichtbar. Unter seinem sanft spöttischen Blick entlarven bürgerliche Paare, hochrangige Manager und kleine Leute ihre existenziellen Fragen, die in der Banalität des Alltags wurzeln. Dabei gehören kleine Menschen in überdimensionierten Straßenschluchten zu seinen Lieblingsmotiven. So wirken sie oft verloren.

(c) APA/AFP/STEPHANE DE SAKUTIN (STEPHANE DE SAKUTIN)

Im Umgang mit seinen Protagonisten ist Sempé stets nachsichtig. Er zeichnet sie mit liebevoll-ironischem Strich. Sie in lächerlichen Situationen zu zeigen, mache ihm keinen Spaß, wie er einst meinte. Als "barmherziger Beobachter menschlicher Komödien" wird er deshalb auch bezeichnet.

Bedrückende Kindheit

Sempé wurde 1932 in Pessac bei Bordeaux geboren. Seine Kindheit war eher bedrückend. Ständige Geldprobleme und eine Mutter, die sich mit seinem Stiefvater stritt, der Lebensmittelhändler war und oft betrunken nach Hause kam. Die Schulzeit war ebenso trostlos. Wegen Ungezogenheit flog er von der Schule.

Mit 18 Jahren ging er nach Paris, wo er sich mehr schlecht als recht als Weinauslieferer mit dem Fahrrad oder als Bürojunge durchgeschlagen hat, bevor er 1950 das Zeichnen zum Broterwerb machte - zunächst als Karikaturist für verschiedene Medien wie "Paris Match" und die amerikanische Zeitschrift "The New Yorker". Im Jahr 1954 lernte er dann René Goscinny kennen. Die Begegnung mit dem 1977 verstorbenen Comicautor und Miterfinder des unbeugsamen Galliers Asterix war entscheidend. Zusammen erschufen sie die erfolgreiche Kinderbuchserie "Der kleine Nick".

Illustrierte viele Titelseiten für "New Yorker" 

In den ersten Jahren interessierte sich allerdings kaum jemand für die Zeichnungen des kleinen Burschen. Sempé hielt sich mit Zeichnungen für Zeitungen finanziell über Wasser, es seien "schreckliche" Jahre gewesen, sagte Sempé später.

Ein solides Einkommen bescherte Sempé erst seine Tätigkeit bei dem US-Magazin "New Yorker", das ihn 1978 anstellte. "Ich war fast 50 und zum ersten Mal in meinem Leben existierte ich", sagte Sempé später über diesen Wendepunkt in seinem Leben. Sempé illustrierte in den Folgejahren so viele Titelseiten des für seine künstlerisch hochwertigen Cover bekannten "New Yorker" wie kein anderer Künstler.

 

 

(APA/dpa/red.)