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Einspruch

Ein Eiserner Vorhang für Russlands Leseratten

Wie kulturell isoliert werden Russlands Bücherfreunde? Es wird noch dauern, bis sich der Rückzug westlicher Verlage in den Buchhandlungen spürbar macht. Aber dann wird er schmerzen.(c) IMAGO/Russian Look (IMAGO/Victor Lisitsyn)
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Fast drei Viertel der meistgelesenen Bücher in Russland sind von ausländischen Autoren: über die Folgen des Rückzugs westlicher Verlage.

Man könnte meinen, im Ersten Weltkrieg, als allerorten der jeweilige Feind als Gottseibeiuns ausgemalt wurde, hätte das zum totalen Boykott von „Feindliteratur“ geführt. Tatsächlich hielt sich das in Grenzen. Übersetzungen machten etwa in Deutschland auch im Krieg einen nicht unerheblichen Anteil der Bücher aus, die meisten davon waren aus dem Französischen und Englischen. Sprachen zweier Feinde also. Selbst in Zeiten größten nationalen Hasses also muss daraus nicht automatisch der Bücherboykott folgen.

„Der Eiserne Vorhang im Verlagswesen hat sich zu schließen begonnen“, schreibt nun die in Lettland stationierte Exilzeitung „Meduza“, „und entgegen den Erwartungen geht die Initiative nicht von Russland aus.“ Der westliche Buchmarkt zieht sich zurück. In einigen Fällen, wie Stephen King oder Neil Gaiman, ist es der Wille von Autoren, ihre Bücher nicht mehr dort verlegt zu sehen. In den meisten die Entscheidung von Verlagen, allen voran Großverlagen wie in den USA Penguin Random House oder Simon & Schuster. Sie müssen besonders auf ihr Image achten, zugleich ist ihre Zusammenarbeit mit russischen Verlagen am unpersönlichsten. Kommerziell tut es den Verlagen nicht weh, der russische Markt ist für sie unbedeutend. Es gibt freilich auch Häuser, die weiter an der Zusammenarbeit festhalten, am ehesten kleinere, am ehesten jene, wo auch der persönliche Kontakt stärker ist.