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"Optimismus von Xiaobo kommt nicht von ungefähr"

Optimismus Xiaobo kommt nicht
(c) EPA (HEIKO JUNGE)
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Salil Shetty, Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, sieht trotz der Haft von Nobelpreisträger Liu Xiaobo Fortschritte in China.

In dem vorgelesenen Brief von Nobelpreisträger Liu Xiaobo ist von seinem „Optimismus“ die Rede. Er sagt, China werde einmal ein freies Land sein. Teilen Sie den Optimismus eines Mannes, der hinter Gittern sitzt und von Freiheit spricht?

Salil Shetty: Der Optimismus von Liu Xiaobo kommt nicht von ungefähr. Die Freiheit siegt. Manchmal, auch wenn die Lage auch noch so aussichtslos erscheint, gibt es Fortschritte. Denken Sie an die Oppositionsführerin von Burma, Aung San Suu Kyi. Ihre Freilassung am 13. November bedeutet zwar nicht, dass jetzt alle Probleme in Burma gelöst sind. Aber ihre Freilassung ist ein Sieg der Menschenrechte und ein Beweis, dass sich die Dinge manchmal ganz schnell ändern können.

 

Auch in China?

Auch in China, warum nicht? 415 Millionen Menschen nützen das Internet. Es gibt heute lebendige Debatten in China, vor allem unter den jungen Leuten. Und es gibt Debatten innerhalb der chinesischen Regierung und in der kommunistischen Partei. Das China von heute ist anders als das China vor nur fünf Jahren. China ist heute viel enger mit dem Rest der Welt verzahnt als je zuvor in seiner Geschichte.

Die Reaktion Chinas auf die Preisverleihung war interessant: Sie war so heftig, dass China den Beweis dafür erbracht hat, wie bedeutend der Gewissensgefangene Liu Xiaobo ist – ein Mann, der weder zur Gewalt noch zum gewaltsamen Umsturz aufruft und dennoch in Haft sitzt. Liu Xiaobo bewegt sich innerhalb der chinesischen Verfassung, seine Inhaftierung ist Unrecht. Amnesty International fordert seine sofortige Freilassung und die Aufhebung des Hausarrests für seine Frau.

 

China kritisiert, die Verleihung des Nobelpreises sei „parteiisch“, das Nobel-Komitee wäre prowestlich und gegen Asien.

Amnesty begrüßt die Entscheidung des Nobel-Komitees. Wir sind eine wahrhaft globale Bewegung; ich selbst stamme übrigens aus Indien. Ich denke, Chinas Kritik ist ohne Substanz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2010)