Oder: Warum es besser ist, wenn Lebensminister nicht am echten Leben anstreifen.
Es ist nicht schlimm, wenn sich ein Minster ärgert. Auch nicht, wenn er im ersten Zorn über ein verpasstes Flugzeug Gott, der Welt und ausgesuchten diplomatischen Vertretungen alles Mögliche an den Hals wünscht.
Schlimm wird es erst, wenn der Herr Lebensminister, wie hierzulande der Landwirtschafts- und Umweltminister heißen will, nach einer Abkühlungsphase bei einer Konferenz zur globalen Erwärmung immer noch nicht in der Lage ist, seine eigene Bedeutung richtig einzuordnen.
Und bei Ruhepuls Sätze sagt wie: „Das war ja kein Ausflug von mir. Da geht es um unsere Zukunft. Mir graut davor, was einem Normalbürger auf Reisen passieren kann, wenn unsere Diplomaten schon Ministern so wenig helfen. Das muss Konsequenzen haben.“
Das insinuiert nämlich irgendwie, dass die Flugreisen der Normalbürger allesamt Ausflüge sind. Und dass es hier Normalbürger und dort Minister gibt, was in der Vorstellungswelt des Landwirtschaftsministers eines europäischen Kleinstaates eigentlich keinen Platz haben dürfte – oder aber Konsequenzen.
Um es einmal in Ruhe zu betrachten: Wenn ein Normalbürger wegen eines verpassten Fluges seinen Geschäftstermin nicht einhalten kann, wird das seinem versetzten Geschäftspartner mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest auffallen, im schlechtesten Fall den Verspäteten sogar das Geschäft kosten.
Wenn der österreichische Lebensminister nicht rechtzeitig (oder gar gar nicht) bei einer Monsterumweltkonferenz in Cancún auftaucht, sind die Chancen groß, dass die Konferenz auch ohne ihn wie geplant ihren Gang nehmen wird. Ja, es sogar Österreichs effektivster Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase gewesen wäre, eben jenen Flug unseres Lebensministers nach Cancún von vornherein zu stornieren.
Und überhaupt: Vielleicht läge unsere Zukunft besser in Händen von jemandem, der nicht glaubt, dass unsere Zukunft in seinen Händen liegt, obwohl doch ganz offensichtlich ist, dass seine Hände und unsere Zukunft zwei Paar Schuhe sind.
Prinz Charles und seine Camilla hatten diese Woche übrigens auch Erstkontakt mit dem richtigen Leben: Auf dem Weg ins Theater geriet ihr Auto in eine Studenten-Demo gegen Studiengebühren. Nicht auszudenken, wenn das Normalbürgern passiert wäre.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2010)