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Junge Forschung

Leidenschaft fürs Immunsystem

Dr. Sonja Rittchen, MedUni Graz
Dr. Sonja Rittchen, MedUni GrazHelmut Lunghammer
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Die Biochemikerin Sonja Rittchen forscht an übereifrigen Immunzellen in der Lunge und wie sich diese stoppen lassen. Dazu braucht es Frustrationstoleranz und Teamgeist.

Das Immunsystem verstehen – das will Sonja Rittchen seit Beginn ihres wissenschaftlichen Lebens. Es hat sie schon von Beginn an fasziniert, dieses komplexe Netzwerk aus Immunzellen, und ihren Botenstoffen. Netzwerke ziehen sich wie ein roter Faden durch die Karriere der 29-jährigen Biochemikerin. Sonja Rittchen ist eine Teamplayerin, der Austausch mit anderen Forschenden ist essenziell. Denn: „Als Einzelkämpferin kommst du in der Wissenschaft nicht weit“, ist sie überzeugt. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen will sie herausfinden: Was bringt das Immunsystem, das uns ja eigentlich schützen soll, dazu zu entgleisen und uns damit Schaden zuzufügen?

Der Schauplatz ihrer Forschung ist die Lunge. „In der Lunge gibt es wie überall im Körper Immunzellen, und eine Art von Immunzellen sind die Makrophagen. Sie gehören zum angeborenen Immunsystem, ihre Aufgabe ist es, Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren unschädlich zu machen. Aber nicht nur das: Treffen sie auf einen Erreger, schütten sie Botenstoffe aus, die andere Immunzellen anlocken. Wie ein Alarmruf also. Die Immunreaktion wird verstärkt und eine Entzündung entsteht“, erklärt Rittchen ihr Forschungsgebiet. Stark vereinfacht natürlich, fügt sie lachend hinzu.

Unerwünschte Reaktionen aufhalten

Ihr Ziel ist, einen Weg zu finden, diese Botenstoffe zu stoppen. Denn manchmal reagiert das Immunsystem unverhältnismäßig stark auf einen Erreger und macht alles noch schlimmer. Im Rahmen des Doktorats untersuchte Rittchen Substanzen, die in Zukunft diese unerwünschten Reaktionen verhindern könnten. Bei Asthma zum Beispiel, oder – ganz aktuell – auch bei Covid-19. Mit diesen Forschungsergebnissen und der daraus entstandenen Doktorarbeit schloss die gebürtige Kärntnerin vor Kurzem das PhD-Studium mit höchster Auszeichnung sub auspiciis ab.

Wer sie auf ihrem Weg begleitet und unterstützt hat? „Meine Betreuerinnen und Betreuer natürlich, meine Familie, aber auch alle meine Kolleginnen und Kollegen. Der Austausch mit ihnen war extrem wichtig“, sagt Rittchen. Besonders geprägt habe sie die FH Krems, wo sie das Bachelor- und Masterstudium Biochemie absolvierte. „Die FH Krems ist der Grund, warum ich heute dort bin, wo ich bin“, ist sie sich sicher. „Den Horizont zu erweitern und Möglichkeiten aufzuzeigen, darauf wurde dort großer Wert gelegt.“ Wem sie ebenfalls dankbar ist: „Meiner Schwester und meiner Mitbewohnerin, die mir Essen gekocht haben, wenn ich spät aus dem Labor heimgekommen bin“, sagt sie lachend.

Denn Forschung ist alles andere als ein Nine-to-five-Job. „Zwei Dinge braucht man ganz besonders als Wissenschaftlerin: Frustrationstoleranz und Ausdauer“, ist sie überzeugt. Ausdauer hat sie. Nach dem Masterabschluss ging Rittchen an die Medizinische Universität Graz, wo sie mithilfe eines Stipendiums des Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF ihr Doktoratsstudium in Molecular Fundamentals of Inflammation begann. Zur selben Zeit arbeitete eine Forschungsgruppe in Brisbane an denselben Themen wie sie – nämlich an dem Immunbotenstoff mit dem Namen Prostaglandin D2 und wie er sich stoppen lässt. Ein paar E-Mails später flog Rittchen nach Australien, wo sie ein halbes Jahr lang forschte, ebenfalls finanziert durch ein Stipendium. „Zu sehen, wie andere Leute in anderen Teilen der Welt arbeiten, war für mich enorm wichtig“, erzählt sie. „Es war eine tolle, aber auch sehr arbeitsintensive Zeit.“ Dort bleiben wollte die Kärntnerin dann trotz eines Stellenangebots nicht. Zu weit weg von ihrer Familie, ihren Freunden und ihrem Warmblut-Wallach Tasman war ihr Australien.

Akute Entzündungen erforschen

Und jetzt? Für die nächsten sechs Jahre hat Sonja Rittchen eine Stelle am Institut für Immunologie an der Med-Uni Graz. Dort will sie weiter an zukünftigen Therapiemöglichkeiten für akute Entzündungen forschen und das komplexe Netzwerk des Immunsystems besser verstehen lernen. Im Teamwork selbstverständlich.

Zur Person

Sonja Rittchen (29) studierte Medical and Pharmaceutical Biotechnology an der FH Krems und Biochemie und Molekulare Biomedizin an der TU Graz. Das anschließende Doktorat an der Med-Uni Graz schloss sie sub auspiciis praesidentis ab. Nach ihrer Zeit als Postdoc am Ludwig-Boltzmann-Institut für Lungengefäßforschung in Graz ist sie nun wieder an der Med-Uni Graz tätig.

Alle Beiträge unter:diepresse.com/jungeforschung

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2022)