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Öffentlicher Verkehr

Ausbildung auf Schiene

Bevor echte Straßen- und U-Bahnen bewegt werden, geht es in den Simulator.
Bevor echte Straßen- und U-Bahnen bewegt werden, geht es in den Simulator.Wiener Linien/Isak Karl-Anton
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Sowohl bei den Wiener Linien als auch bei den ÖBB steht ein Generationswechsel an. Wer ein Schienenfahrzeug führen will, hat jetzt gute Chancen.

Wir hatten bereits einen Kollegen, der im Alter von 55 Jahren mit der Ausbildung begonnen hat, es ist also nie zu spät“, nimmt Michael Kowarz, Chefinstruktor bei der Straßenbahnausbildung der Wiener Linien, die Scheu vor einer Bewerbung. „Im Normalfall liegt das Eintrittsalter aber bei höchstens 35 Jahren.“ Das Mindestalter, um ein Öffi-Fahrzeug bewegen zu dürfen, beträgt 21 Jahre. Eine Mindestgröße von 1,60 Metern, gutes Sehvermögen (z. B. farbsicheres Sehen) und die körperliche und psychische Eignung für eine Tätigkeit im Fahrdienst sowie gute Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Ein Führerschein (B) ist von Vorteil, bei einem Job als Straßenbahn- und U-Bahn-Fahrer aber nicht Bedingung. Allerdings: „Für Menschen ohne Führerschein ist die Umsetzung der Straßenverkehrsordnung nicht einfach“, weiß Kowarz.

Herausforderung Schichtdienst

Zudem muss die Bereitschaft zum Schichtdienst vorhanden sein – der Hauptgrund, weshalb nicht alle angehenden Öffi-Chauffeur die Ausbildung abschließen: „Viele mögen den Schichtdienst, um drei Uhr früh aufzustehen oder nach Mitternacht nach Hause zu kommen, nicht.“

Auf jene, die die Aufnahmekriterien erfüllen, wartet eine 38 Tage dauernde Schulung in Kleingruppen von zwölf Personen, von denen im Durchschnitt zwei Drittel bis zum Ende durchhalten. „Wer die Schulung absolviert, schafft auch die Abschlussprüfung, denn das Lernpensum ist bewältigbar. Aber man muss natürlich Theorie lernen, das sind etwa 70 Prozent der Ausbildung. Wir schmücken die Theorieeinheit mit Fahrten am Simulator. Zusätzlich müssen 20 Unterrichtseinheiten direkt am Fahrzeug verbracht werden.“

Nach Übungsfahrten am Bim- oder U-Bahn-Simulator, die zu den besten der Welt zählen sollen, darf es noch ein bisschen mehr Adrenalin sein: „Das Highlight der Ausbildung ist immer die erste Ausfahrt, natürlich noch ohne Fahrgäste. Das zweite Highlight ist dann die erste Fahrt mit Fahrgästen. Da sind immer alle sehr nervös und der Puls ist auf 180.“ Nach 38 Tagen Grundausbildung ist man ausgelernter „Ein-Mann-Fahrer“. Innerhalb der folgenden 25 Tage werden 18 Fahrtage mit Passagieren gemeinsam mit einem Fahrlehrer absolviert. Abgerundet wird die Ausbildung mit einem Deeskalationstraining, und kaufmännischem Wissen. Nach der finalen Prüfung darf dann auf dem Fahrersitz von Ulf und Silberpfeil Platz genommen werden. Bereits während der Ausbildung gibt es ein Gehalt von 1925 Euro brutto pro Monat, danach inklusive Zulagen etwa 2300 Euro.

Der Job als Eisenbahnlokführer – korrekt: Triebfahrzeugführer – ist für viele ein Kindheitstraum und kann derzeit leicht verwirklicht werden: Die ÖBB sind auf der Suche nach neuem Cockpit-Personal. Vor Antritt der etwa zwölfmonatigen Ausbildungszeit, die ebenfalls bezahlt wird (30.000 Euro brutto pro Jahr), müssen Bewerber eine Lehre abgeschlossen oder die Matura bestanden haben und zumindest 19,5 Jahre alt sein. Der Präsenz- oder Zivildienst muss abgeleistet sein oder eine Befreiung vorliegen. Sehr gute Deutschkenntnisse sind genauso Voraussetzung wie körperliche Fitness, ein sehr gutes Hör- und Sehvermögen und die Bereitschaft zum Schichtdienst, auch an Wochenenden und Feiertagen.

Nach zwölf Monaten Zugführer

In Wien, Oberösterreich, Salzburg und Vorarlberg finden die nächsten Kurse mit freien Plätzen ab September monatlich statt. Am Beginn steht ein Theoriekurs, im Zuge dessen laufend Prüfungen absolviert werden. Nach bereits zehn Wochen dürfen angehende Lokführer, begleitet von einem Fahrlehrer, in einem Zug-Cockpit Platz nehmen und die 10.000 PS eines Triebwagens bewegen. Nach zwölf Monaten Theorie, Praxis und dem erfolgreichen Ablegen der praktischen Fahrprüfung winkt ein Bruttojahresgehalt von zumindest 37.100 Euro im Jahr, zuzüglich Nebenbezügen von etwa 500 Euro pro Monat.

Nach bestandener Abschlussprüfung hört das Lernen nicht auf. Es sind laufend Weiterbildungen, um etwa mit anderen Loks andere Strecken befahren zu können, zu absolvieren.

Die private Westbahn bietet keine eigene Ausbildung zum Lokführer an, es erfolgen lediglich Schulungen bezüglich der Streckenführung.

Information

Ausbildung für Verschubdienst. Neben Triebfahrzeugführern suchen die ÖBB auch Verschubmitarbeiter. Kurse für diese körperlich herausfordernde Schichttätigkeit starten am 17. und 31. August. Bereits während der neunwöchigen Ausbildung wird ein Gehalt bezahlt. https://karriere.oebb.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2022)