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Vorabdruck

Ein Amt sucht nach dem Vater

Schwester Aurelia erklärte, sie werde die Entwicklung des Kindes im Auge behalten.
Schwester Aurelia erklärte, sie werde die Entwicklung des Kindes im Auge behalten.Christopher Anderson/Magnum/Picturedesk
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Der nächste Woche erscheinende Roman „Geschichte eines Kindes“ erzählt von Danny, der 1953 von seiner unverheirateten Mutter zur Adoption freigegeben wurde – und von bürokratischen Hürden und ideologischen Verbohrtheiten, Hürden, die beide fast zu Fall bringen.

Als Autorin werden mir von Zeit zu Zeit Geschichten geschenkt, Geschichten, die mehr sind als Geschichten, Geschichten, die Welten in sich tragen. Auf einem solchen Geschenk basiert das vorliegende Buch, man könnte sagen: auf einer wahren Begebenheit, oder: ihm liegt die Kindheit eines Menschen zugrunde. Es ist ein äußerst kostbares Geschenk, eines, das einen verantwortungsvollen, respektvollen Umgang verdient. Ich habe versucht, dem gerecht zu werden, indem ich die Vergangenheit unverändert, unbeschönigt dargestellt habe, gerade, was ihren Wortschatz betrifft. Nicht, um zu verstören oder zu verletzen – die Verstörung, Verletzung lässt sich, dies ist mir bewusst, nicht verhindern –, sondern um jenen, die bereits verletzt, verstört sind, ihr Recht zurückzugeben, über den Schmerz zu bestimmen. Dieser liegt jedoch, und das ist mir wichtig zu betonen, nicht in der Vergangenheit. Obwohl wir gewisse Wörter, Begriffe abgeschafft haben, haben wir es doch nicht geschafft, uns von den Ideen zu trennen, die ihr Innerstes, ihren Kern bilden. Somit riskieren wir, wenn wir Geschichten wie diese weitergeben, auch einen Blick auf die Unterseite der Sprache: auf ihre Kehrseite. A.K

Aus der Akte des Sozialdienstes der Erzdiözese Green Bay

13.07.1953
Telefonat m. Sr. Aurelia: Am Sonntag, den 12. Juli, kam gegen 22 Uhr eine junge Frau mit starken Wehen in die Notaufnahme. Kurz nach Mitternacht gebar sie ein 3,2 kg schweres Kind. Sie gab ihm den Namen Daniel. Der Arzt, der die Entbindung vornahm, war Dr. Karl Schreiber. Mutter und Kind sind wohlauf. Miss M. Winckler (MW) wurde mit dem Fall betraut.

14.07.1953
Besuch/Krankenhaus St. Mary: Der Name der Kindsmutter lautet Carol Anne Truttman. Sie war höflich, aber schroff. Sie erklärte, dass sie den Knaben zur Adoption freigeben wolle und er auf die Kinderstation verlegt werden könne, sobald die Ärzte dies gestatten.

Miss Truttman wohnt zurzeit in der Kellogg Street 223 in Green Bay, Wisconsin. Sie wurde am 11. Februar 1933 in Green Bay geboren, ist 20 Jahre alt und ledig. Sie besucht regelmäßig die Messe in der Kirche St. Mary in Green Bay. Ihr Vater, Joseph Truttman, starb vor fünf Jahren an Darmkrebs. Ihre Mutter, Anne Bellin (seit 1949 verheiratet mit Mr. Nicholas Bellin), lebt auch in Green Bay (St. Baird Street 1556). Die Familie stammt aus Österreich und Deutschland.

Sie hat drei Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester; sie ist die Zweitälteste. Max ist 21 Jahre alt und arbeitet in der Wood Preserving Company. Walter ist 19 Jahre alt und Student am St. Julian College in Green Bay. Olivia ist 13 Jahre alt und besucht die St. Mary Junior Highschool in Green Bay. Max und Walter sind Junggesellen.