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Festspiele

Salzburgs Klavierwelten: Von Tanz, Humor zu bleierner Schwere

Grigory Sokolov, Yefim Bronfman und Lang Lang gaben Soloabende: Standing Ovations überall − für extrem unterschiedliche Leistungen.

Vor Jahren war Yefim Bronfman noch für seinen überbrillanten, nahezu gemeißelten Anschlag bekannt. Der mittlerweile 64-jährige Pianist liebt es nun sanfter, nachdenklicher – und gedämpfter. Manchmal wirkt es, als habe man durch mehrere Schleier hindurchzuhören. Das muss nicht immer ein Nachteil sein, bleibt aber als gewisses Bedauern präsent. Am stärksten am Ende von Chopins h-Moll-Sonate: Deren Gefühlsaufwallungen wandelte Bronfman ganz in klassizistische Noblesse um, indem er offizielle Schwermutsgesten und intime Belcanto-Kantilenen nivellierend einander annäherte.

Statt der geplanten Sonate Béla Bartóks erklang Beethovens Op. 10/3 – ein Verlust für Salzburgs „Zeit mit Bartók“. Wenn das anmutige Menuett da in genau denselben Valeurs beginnt, mit denen der schmerzlich-triste langsame Satz geendet hat, wünschte man sich doch mehr Kontrast. Danach Bartóks intellektuell durchgeknetete Suite, Op. 14, diese verkappte Sonate, in welcher nach ständiger Beschleunigung der langsame Satz als Finale nachgereicht wird: unter Bronfmans Händen eine betont in sich gekehrte Klage. Dem Stretta-Furor zum Trotz: Auch die „Appassionata“ ist bei ihm weniger der kühne Griff eines jungen Manns in den Rachen von Schicksal und Klavier zugleich, vielmehr ein leicht trauriger Rückblick auf einstige Eruptionen. Es gab zwei Chopin-Encores – und eine samtpfotige Schumann-Arabeske.