Archäologie

Gräberfeld am Balkan: Funde verraten, wie man einst lebte

In Bosnien und Herzegowina wurden 46 Gräber und 53 Individuen aus der Bronze- und Eisenzeit entdeckt.

Äußere Anzeichen gab es kaum. Erst auf einer Wiese in Kopilo, 70 Kilometer westlich von Sarajewo (Bosnien und Herzegowina), gefundene menschliche Knochen veranlassten das österreichisch-bosnische Forschungsteam, näher hinzusehen. Es entdeckte schließlich das erste und bisher einzige Gräberfeld der Region aus der Bronze- und Eisenzeit. 2022 wurde es freigelegt, erforscht und dokumentiert.

Die Funde sorgten für Überraschungen: Anders als im Rest Europas seien die Toten hier bestattet und nicht verbrannt worden, schildert Grabungsleiter Mario Gavranović vom Österreichischen Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften. Zwar habe man schon früher – etwa durch Zufallsfunde bei Bauarbeiten – in der Region Gräber entdeckt, eine archäologische Aufarbeitung fehlte aber bis dato. Daher kannte man bisher auch noch keine Details zu den Bestattungspraktiken.
In der Grabstätte, die vom elften bis zum fünften Jahrhundert genutzt wurde, fand man nun 46 Gräber, meist waren zwei bis fünf Gräber in einer runden Steinkonstruktion angeordnet. Darin lagen 53 Tote allen Alters: in „Schlafposition“, also seitlicher Lage mit leicht abgewinkelten Beinen und Armen, z. T. mit neben dem Kopf platzierten Grabbeigaben wie kleinen Gefäßen. Gefunden wurden zudem Schmuckanhänger, die man bisher nur aus Griechenland und dem Ostbalkan kannte – ein Zeugnis für Kommunikation und Handel mit fernen Gebieten.

Hohe Sterblichkeit bei Kindern

Kinderskelette waren überproportional häufig vertreten, der Forscher führt das auf eine hohe Sterblichkeitsrate zurück. Gleichzeitig werde durch eigene Kindergräber deutlich, dass auch junge Menschen als wertvolle Mitglieder der Gemeinschaft angesehen wurden. Auf dem Gräberfeld seien auch Rituale oder Versammlungen abgehalten worden. Der Archäologe spricht von „sehr, sehr komplexen Bestattungsriten“ und einer „engen Beziehung der Gemeinschaft zu den Toten“.
Naturwissenschaftliche Analysen sollen nun Aufschluss über Ernährung, Krankheiten und Migration in der Zeit geben – auch die Verwandtschaftsbeziehungen zwischen gemeinsam begrabenen Menschen könnten sich klären lassen. (APA/gral)


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