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Mein Samstag

Feldforschung im Familienchat

Sechs Typen der zwischenmenschlichen WhatsApp-Kommunikation.

Zwischenmenschliche Kommunikation ist mitunter eine Herausforderung. Noch schwieriger wird es, wenn sie sich auf WhatsApp und Co. abspielt. Mimik, Tonfall, Lautstärke, all das, was zum Verständnis des Gegenüber beiträgt, fällt weg.

Um Missverständnissen trotzdem vorzubeugen, kann es helfen, sich auf die Personen und ihre Eigenheiten einzustellen. Für diesen Zweck habe ich jahrelange Feldforschung betrieben, um die Schreibenden in ihrem natürlichen Habitat – Familienchats, Freundesgruppen – zu beobachten.

Dabei haben sich folgende Typen herauskristallisiert:
Da wäre einmal der Mitteilsame. Charakteristisch sind Nachrichten von mindestens zehn Zeilen. Er schreibt viel und gern, meist ohne konkreten Anlass. Informationen sind dabei nebensächlich. Es geht um Teilhabe, Präsenz in der Gruppe.

Der Sprinter ist ihm nicht unähnlich. Auch er schreibt im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig. Aber was viel wichtiger ist: Er antwortet als Erster. Eine Smartwatch ist für ihn essenziell, um seine Vormachtstellung nicht zu verlieren.

Das genaue Gegenteil ist die Nonverbale, oder auch Unberechenbare genannt. Reaktionen oder gar Wortmeldungen sind von ihr nicht zu erwarten. Aber lassen Sie sich nicht täuschen: Sie liest mit. Und steht dann, wenn sich die Gruppe in die analoge Welt bewegt, trotzdem auf der Matte.

Das beliebteste Hilfsmittel des Überbordenden sind Satzzeichen! Und Emojis!! Wie soll man ohne Sonnen-, Schirm-, Wasserspritzer- und Regenwurm-Bildchen wissen, wie das Wetter im Urlaub war?!?

Die Nüchterne kennt hingegen nur ein Satzzeichen. Den Punkt. Geschrieben werden Infos. Punkt. Begrüßungen, oder gar Emotionen sind überbewertet. Punkt.

Der Bildgewaltige gibt sich mit Geschriebenem erst gar nicht ab, er schickt Gifs – und kann ganze Konversationen mit den animierten Bildern führen.

Und, selbst wiederentdeckt?

E-Mails an: teresa.wirth@diepresse.com