Familienauto? Familienmotorrad! Straßenszene in Kandahar, Afghanistan.
Reportage

Ein Stempel, ein Lächeln: „Welcome to Afghanistan“

Vor einem Jahr übernahmen die islamistischen Taliban im Zuge eines regelrechten Sturmlaufs die Macht in dem kriegsversehrten Land. Es hat sich seither nicht erholt, ist isoliert, die Wirtschaft ist zerstört, Hunger grassiert, Frauen sind rechtlos. Es sei indes sicherer geworden, heißt es vielfach. Ein Besuch in Kabul und Umgebung.

Landung auf dem Flughafen Kabul. Es ist knapp ein Jahr her, dass hier Tausende Menschen versucht haben, irgendwie einen Flug zu ergattern, um den Taliban zu entkommen, die gerade die Kontrolle über die Stadt übernommen haben. Die Bilder von jungen Männern, die sich an ein startendes US-Transportflugzeug klammern und kurz danach in den Tod stürzen, haben sich ins Gedächtnis gebrannt. Sie gehen auch mir beim Aussteigen durch den Kopf.

Ich versuche, die genaue Stelle der Bilder von vor einem Jahr zu finden. Damals hieß der Flughafen Hamid Karzai International Airport, nach einem früheren Präsidenten Afghanistans. Den Namen haben die Taliban geändert, erstaunlicherweise ist die Aufschrift aber noch da. Lediglich das „d“ in Hamid ist abhandengekommen. Die Aufschrift wirkt gespenstisch, die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. Das Gefühl begleitet mich auf unsrem Weg zur Passkontrolle durch einen kleinen, dunklen, veralteten Terminal. Wir – zwei Journalisten aus Österreich – stellen uns mit traditionell gekleideten Männern an. Ihr Äußeres lässt die Vielfältigkeit der afghanischen Bevölkerung erahnen. Der Taliban-Grenzer vollzieht die übliche Prozedur, begutachtet mein Visum. Ein Stempel, ein Lächeln: „Welcome to Afghanistan.“

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