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Mein Dienstag

In dieser Branche musst du loslassen können

71st Cannes Film Festival
Hält sich nicht allzu lange mit seiner Leistung von gestern auf: John Travolta.REUTERS
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Sich zu sehr mit sich und seiner Arbeit zu beschäftigen ist ungesund. Abhaken und weitermachen.

John Travolta wurde einmal gefragt, wie er mit kommerziellen Flops und negativen Kritiken umgehe. Seine Antwort hat mich schwer beeindruckt, mittlerweile habe ich sie mir sogar zu eigen gemacht.

Wenn ein Film erscheint, bin ich längst beim nächsten oder übernächsten, und du wirst ohnehin immer nur an deinem letzten Film gemessen, sagte er sinngemäß. Und weiter: Du musst loslassen können. Du kannst dich nicht ewig über schlechtes Feedback ärgern oder darüber nachdenken, ob deine Performance gut genug war.

Tatsächlich dauert es in der Regel mindestens ein Jahr, bis ein abgedrehter Film ins Kino kommt; ein Schauspieler seines Formats spielt bis dahin üblicherweise in zwei bis drei weiteren mit. Und ist im Kopf natürlich eher bei der jüngsten Produktion, nicht bei der vorletzten oder vorvorletzten.

So ähnlich geht es vielen von uns Tageszeitungsjournalisten. Wenn ein Artikel erscheint, ist für gewöhnlich der nächste schon geschrieben und der übernächste in Arbeit. Wir haben weder die Zeit noch Konzentration, um uns allzu lang mit den Nachwirkungen eines Beitrags zu beschäftigen. Diese umfassen – neben viel Lob – untergriffige Leserbriefe bzw. Kommentare auf der Website ebenso wie die eigenen Ansprüche an den Beruf. Denn die meisten Journalisten sind selbst ihre größten Kritiker und geben sich mit ihren Artikeln nie zufrieden. Irgendetwas finden sie immer, was sie hätten besser machen können.

Daher ist der Tagesrhythmus ein echter Segen. Wir werden geradezu gezwungen, einen veröffentlichten Artikel gut sein zu lassen, nach vorn zu blicken und sich dem nächsten zu widmen. Jeden Tag wird alles auf null gestellt, du hast ein neues weißes Blatt Papier vor dir, das du zu befüllen hast. Und wie Travolta schon sagte: Du wirst ohnehin immer nur nach deiner letzten Arbeit bewertet.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com