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Globetrotter

Über Musik, die erheitert, und Musik, die wachrüttelt

Peter Kufner
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Popmusik. Rock 'n' Roll und Rock waren nur scheinbar rebellisch. Wo es gärt in einer Gesellschaft, beschreibt – unvermutet – eine andere Gattung.

Es war die Zeit, als die Bauernburschen im Dorf einem Möchtegern-Beatle auflauerten und ihm die Haare schnitten; es war die Zeit, als der Pfarrer Mädchen in kürzeren Röcken der Kirche verwies. Es war die Zeit des Umbruchs und des Aufbruchs, der bunteren Kleidung und der flotten neuartigen Musik aus England und Amerika: Rock 'n' Roll, Blues, Rock, etwas später auch Punk. Große Teile der älteren Generation tobten. Solche Musik verführe die Jugend zu Sex und Drogen, stachle sie zu enthemmtem Konsum und Ungehorsam an; sei unmoralisch und aufrührerisch.

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Aber war diese Musik wirklich eine Anleitung zur Revolution, wie 1968 von den Beatles scheinbar besungen? War sie wirklich ein Hohelied auf den Straßenkampf, wie von den Rolling Stones in „Street Fighting Man“ angestimmt? Der Potsdamer Kulturhistoriker Tobias Becker räumt in einem ausführlichen Essay in der neuen Ausgabe der „Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte“ mit den gängigen Klischees auf, wonach Rockmusik mit einem Linksdrall einhergehe – ein lautstarker, rebellisch-subversiver Aufschrei gegen das Establishment sei. Vielmehr sei Rockmusik ein „Chamäleon der Musikkultur“, das auch bei eingefleischten Konservativen massenhaft Anklang gefunden habe. Genauso wie Linksrock gibt es Rechtsrock.
Vom Rock 'n' Roll oder der Rockmusik sei niemals eine Gefahr für die gesellschaftliche Ordnung ausgegangen, schreibt Becker. „Vielmehr stützte diese Musik die Ordnung sogar, indem sie ein Ventil für jugendliche Frustrationen bot.“ Was es freilich immer wieder gab, waren Exzesse und Ausschreitungen bei großen Konzerten oder Festivals, die jedoch weniger die gesellschaftliche Ordnung als vielmehr die Besucher gefährdeten.