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Essenszustellung

Hellofresh hat Kunden verloren

Konsumten schauen derzeit mehr auf ihr Geld, das spürt auch Hellofresh.
Konsumten schauen derzeit mehr auf ihr Geld, das spürt auch Hellofresh.Getty Images
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Das eingetrübte Konsumklima führte zu weniger Bestellungen. Noch am besten entwickelte sich der US-Markt.

Berlin. Der Essenszusteller Hellofresh hat infolge der eingetrübten Konsumlaune deutlich an Kunden verloren. Zwar stieg die Zahl der aktiven Kunden im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut vier Prozent auf acht Millionen, allerdings sind das über 500.000 weniger als noch in den Monaten Jänner bis März. Konzernchef Dominik Richter versuchte die Entwicklung zu relativieren: „Das zweite Quartal ist erfahrungsgemäß immer schwächer als das erste“, sagte er am Montag.

Als aktive Kunden zählt der Konzern Menschen, die innerhalb der vergangenen drei Monate ab Ende des entsprechenden Quartals mindestens eine Box erhalten haben. Dazu zählen neben regulären Bestellungen auch Neu- und Testkunden. In den USA drehten vom ersten zum zweiten rund 220.000 Menschen Hellofresh den Rücken zu, in den restlichen Märkten waren es kumuliert gar 300.000.

Auch die Summe an Bestellungen konzernweit ging zurück: Waren es im Auftaktquartal des laufenden Jahres noch rund 34,6 Millionen, zählte Hellofresh jetzt noch knapp 32,3 Millionen. Dabei geht mehr als die Hälfte auf das Konto der USA. Diese sind mit Abstand der wichtigste Markt des Konzerns: Im zweiten Quartal erzielte Hellofresh mehr als die Hälfte seines Erlöses dort. Und während das deutsche Unternehmen beim operativen Gewinn zusammengerechnet in all seinen anderen Märkten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang um fast ein Viertel auf 64,8 Mio. Euro hinnehmen musste, legte das US-Betriebsergebnis um fast 23 Prozent auf 112,2 Mio. Euro zu. Insgesamt machte Hellofresh drei Viertel des operativen Gewinns in den USA.

Der Konzernumsatz der Monate April bis Juni stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum um rund ein Viertel auf knapp zwei Mrd. Euro. Dabei halfen neben einer Aufwertung des US-Dollar auch ein Anstieg des durchschnittlichen Bestellwerts und dass Kunden öfter zu Zusatzprodukten griffen.

Insgesamt schwächt sich das Wachstum in der Essenslieferbranche seit einigen Monaten ab: Auch andere Unternehmen wie Delivery Hero oder Just Eat Takeaway haben mit der gedämpften Konsumlaune zu kämpfen. Hellofresh erhöhte daher die Kosten für Werbung in Form von Gutscheinen oder Anzeigen. Mit knapp 16 Prozent des Umsatzes ist das aber noch weniger als vor der Coronapandemie.

Teuerung treibt Kosten hoch

Gestiegen sind indes auch die Kosten für Einkäufe und Treibstoff, dazu kamen Anlaufkosten beim Ausbau der Produktionsstätten. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) ging um 7,5 Prozent auf 145,9 Mio. Euro zurück. Branchenexperten hatten mit einem deutlicheren Rückgang gerechnet. Unter dem Strich verdiente Hellofresh mit 62,5 Mio. Euro um gut ein Viertel weniger als noch im Vorjahreszeitraum.

Der Vorstand bestätigte die zuvor gesenkte Jahresprognose: Ausgehend vom Vorjahreswert von knapp sechs Mrd. Euro soll der Konzernumsatz 2022 um 18 bis 23 Prozent zulegen. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird mit 460 bis 530 Mio. Euro prognostiziert, nachdem Hellofresh im Vorjahr einen operativen Gewinn von 527,6 Mio. Euro vermeldet hatte. Der Hellofresh-Chef habe sich mit Blick auf die Jahresprognosen, die teilweise noch auf dem Niveau der alten Ziele liegen, optimistisch geäußert, erklärte ein Händler. Das dürfte auch für das Kursplus am Montag gesorgt haben.

(APA/dpa-AFX)