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Feuilleton

"Stell dir vor, es ist Krieg": Wie man richtig mit falschen Zitaten umgeht

Brecht hat's jedenfalls nicht erfunden. Werner Kogler und ein Zitat, um das heftig gekämpft wird.

Will man einen naiven Pazifismus auf den Punkt bringen, kann man das mit einem sehr bekannten Zitat tun: „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Am Montagabend wurden diese Worte Werner Kogler beim ORF-Sommergespräch hingeworfen. Dem Parteichef der Grünen, der gerade gesagt hatte, er würde zur Verteidigung Österreichs zur Waffe greifen. Der Interviewer meinte, man würde die Grünen nicht mehr wiedererkennen, sie hätten sich doch aus der Friedensbewegung heraus entwickelt. Kogler parierte mit einer Variante des Spruchs: „Stell dir vor, es ist Frieden, und einer macht alles hin.“ Ob das Original „eh lustig“ ist, wie Kogler meinte, oder ob darin eigentlich sehr viel mehr (nämlich anderes) steckt – darüber wird seit langem immer wieder gestritten.

So wollen manche wissen, dass die Zeile aus einem Gedicht von Bertolt Brecht stammt, in dem nach dem „und keiner geht hin“ weiter folge: „Dann kommt der Krieg zu euch!“ Der Sinn wäre somit ein gänzlich anderer. Bertolt Brecht, sagt man damit, war nicht so naiv, dass er eine derart simple Parole ausgeben würde.