Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Diplomatie

Das Tauwetter zwischen der Türkei und Israel

Außenminister Mevlut Cavusoglu empfing im Juni Jair Lapid aus Israel in Ankara
Außenminister Mevlut Cavusoglu empfing im Juni Jair Lapid aus Israel in AnkaraIMAGO/Depo Photos
  • Drucken

Die Türkei und Israel normalisieren ihre Beziehungen. „Ich kenne keine anderen Länder, deren Beziehungen einem derartigen Auf und Ab unterworfen sind“, kommentiert ein Diplomat.

Israel und die Türkei wollen es noch einmal miteinander versuchen: Nach einem mehrjährigen Auf und Ab in den bilateralen Beziehungen haben die beiden Länder am Mittwoch verkündet, wieder vollständige diplomatische Beziehungen aufzunehmen. „Die Wiederaufnahme von Beziehungen mit der Türkei ist ein wichtiger Gewinn für regionale Stabilität und eine wichtige wirtschaftliche Nachricht für die israelischen Bürger“, kommentierte Israels Ministerpräsident Yair Lapid die Entscheidung. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu ließ verlauten: „Die erneute Bestellung von Botschaftern ist wichtig für die Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Gleichzeitig werden wir uns weiterhin für die Rechte Palästinas, Jerusalems und des Gazastreifens einsetzen.“

In früheren Jahren hatten die beiden Länder enge und gute Beziehungen unterhalten. 2010 aber kam es zum Bruch: Israelische Marinesoldaten stürmten das Schiff einer umstrittenen türkischen Organisation, das Hilfsgüter in den Gazastreifen hätte bringen und dabei die israelische Blockade des Territoriums verletzen sollen. Auf dem Schiff kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Israelis und Aktivisten, zehn türkische Staatsbürger kamen dabei ums Leben.

Der Vorwurf des „Staatsterrorismus"

Daraufhin rief die Türkei ihren Botschafter aus Israel zurück, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete den israelischen Einsatz als „Staatsterrorismus“ und verlangte von Israel Entschädigungszahlungen.

2013 entschuldigte sich der damalige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der Türkei, das Verhältnis blieb jedoch angespannt. Zum nächsten Bruch kam es 2018, nachdem die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannte: Die türkische Regierung verwies den israelischen Botschafter des Landes, und Erdoğan erhob erneut drastische Vorwürfe gegenüber Israel, darunter jenen des Völkermordes an den Palästinensern. Israel wies seinerseits den türkischen Konsul in Jerusalem aus. Bis heute haben beide Staaten keinen Botschafter im anderen Land. Die diplomatische Annäherung soll das nun ändern.

„Ich kenne keine anderen Länder, deren Beziehungen einem derartigen Auf und Ab unterworfen sind“, kommentierte der frühere israelische Generalkonsul in Istanbul, Moshe Kamhi, die jüngste Wiederannäherung. Zu stabilen Beziehungen fehlt es seiner Ansicht nach indes an Verständigung zwischen den Bevölkerungen beider Länder. „Die öffentliche Meinung in der Türkei akzeptiert Israel nicht als normalen Staat neben arabischen Staaten.“