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Quergeschrieben

Nostalgie und Notstandshilfe: Lässt sich von Pop leben?

Pop ist allgegenwärtig, die kritische Reflexion des Musikgeschehens aber weitgehend verschwunden. Über eine Ausnahmeerscheinung und nötige Fragen.

Zum Autor:

Thomas Weber ist Gründer und Herausgeber von „Biorama“ (Magazin für nachhaltigen Lebensstil) und Buchautor (zuletzt: „100 Punkte Tag für Tag“). Er verantwortet die im Residenz-Verlag erscheinende Buchreihe „Leben auf Sicht“ und lebt im Marchfeld vor Wien. Er schreibt hier ab sofort im 14-Tage-Rhythmus mit der Journalistin und Autorin Anna Goldenberg.

Es ist dieser Tage nicht leicht, über das Popgeschehen halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben – sofern man das nicht hauptberuflich tut oder Lust, Laune und Möglichkeiten hat, sehr viel Tagesfreizeit auf TikTok totzuschlagen. Freilich, es hilft, ein paar stilsicheren Spotify-Playlists zu folgen und regelmäßig auch reinzuhören. Es geht schließlich um Musik. Aber kommentierten Kontext und kritische Berichterstattung direkt am Puls des Pop gibt es de facto nicht mehr. Bis vor ein paar Jahren verlässliche Onlinemagazine haben ihre Kuratorenrolle aufgegeben und fungieren eher als Hype-Maschinen. Die wenigen noch gedruckt erscheinenden Musikmagazine haben sich in klar definierte Nischen zurückgezogen. Meist bedienen sie den Nostalgiebedarf ihrer gealterten Leserschaft.

Eine löbliche Ausnahme ist „The Gap“, das gerade sein 25-jähriges Bestehen feierte. Es sei hier nicht verschwiegen, dass ich viele Jahre maßgeblich dafür und damit zu tun hatte und mit seinen Machern auch heute noch verbandelt bin. Operativ bin ich aber nicht (mehr) involviert. Deshalb bemühe ich mich erst gar nicht um Objektivität, sondern eher um wohlwollende Distanz – weil ich mich bei Erscheinen jeder neuen Ausgabe freue, dass „The Gap“ halbwegs erfolgreich seine Nische gefunden hat. Mir persönlich fehlt in dem Magazin heute zwar der Blick aufs Ganze, Globale; und der Horizont des Teams würde auch fix über Wien-Umgebung hinausreichen. Doch die Selbstbeschränkung ist Teil der Positionierung: von der Szene für die Branche. Man macht das Mögliche, und das ist nicht wenig. Ein Gutteil der österreichischen Popmusik abseits des Mainstreams wird von The Gap abgedeckt und nach Möglichkeiten reflektiert. (Hören kann man vieles davon auf Radio FM4.) Und man stellt immer wieder einmal Fragen, die sonst niemand stellt.