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Gastkommentar

Khamenei gegen Rushdie

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Angriff auf Rushdie das direkte Resultat der Todesfatwa ist.

Der Autor:

Stephan Grigat (* 1971) ist Professor am Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien in Aachen.

Unmittelbar nach dem Angriff auf Salman Rushdie am vergangenen Freitag wurde in vielen Berichten behauptet, der Hintergrund des Täters sei noch nicht klar. Auf seinen Social-Media-Seiten verwendete Hadi Matar jedoch Porträts von Ajatollah Khomeini, Ali Khamenei und dem iranischen Revolutionsgardisten Qassem Soleimani als Profilbilder. Auf seinem gefälschten Führerschein stand der Nachname Mughniyah. Imad Mughniyah war ein Topterrorist der Hisbollah, der 2008 durch eine gemeinsame Aktion Israels und der USA getötet wurde.

In mehreren Medien hieß es, die Todesfatwa, die Khomeini 1989 nach Erscheinen der „Satanischen Verse“ gegen Rushdie verhängt hat, habe für Teheran keine Bedeutung mehr. So schrieb etwa „Der Standard“, die „iranische Führung“ sei von der Fatwa „abgerückt“. Das ist falsch: 2005, während der Präsidentschaft des vermeintlich moderaten Mohammed Khatamie, bekräftigte Khamenei, Rushdie sei ein Apostat und seine Tötung vom Islam autorisiert. 2017 veröffentlichte Khamenei auf seiner englischsprachigen Website eine Bestätigung des Mordaufrufs. Im heute noch sichtbaren Beitrag heißt es auf die Frage, ob die Fatwa gegen „den verfluchten Lügner“ Rushdie noch in Kraft sei und was „die Pflicht eines Muslims in diesem Zusammenhang“ wäre: „Das Dekret ist so, wie es Imam Khomeini erlassen hat.“ 2019 twittere Khamenei, die Todesfatwa sei „unwiderruflich“.

Religiöse Stiftungen, die von Khamenei kontrolliert werden, haben bis heute ein Kopfgeld auf Rushdie ausgesetzt: Die Stiftung 15. Khordad hat über drei Millionen US-Dollar für seine Ermordung ausgelobt. Iranische Staatsmedien haben 2016 während der Amtszeit des im Westen systematisch verharmlosten Präsidenten Hassan Rohani das Kopfgeld um weitere 600.000 US-Dollar erhöht.

Mohamed Marandi, einer der wichtigsten Berater des Verhandlungsteams über das iranische Atomabkommen in Wien, erklärte: „Ich werde nicht um einen Schriftsteller weinen, der unendlichen Hass und Verachtung für Muslime und den Islam versprüht.“ Die Zeitschrift „Kayhan“, deren Chef Khamenei ernennt wird, erklärte nach der Attacke: „Bravo für diesen mutigen und pflichtbewussten Mann, der den abtrünnigen und verdorbenen Salman Rushdie in New York angegriffen hat (. . .) Lasst uns die Hände desjenigen küssen, der dem Feind Gottes mit einem Messer den Hals durchgeschnitten hat.“ Die Zeitung „Khorasan“ zeigte Rushdie auf einer Bahre und titelte „Satan auf dem Weg zur Hölle“.

Die Nachrichtenagentur „Eghtesad Salem“ veröffentlichte einen Text, der den Angriff auf Rushdie als Warnung an die USA interpretiert und den langen Atem des Regimes zeige: „Die Ausführung des Befehls zur Ermordung von Rushdie 33 Jahre nach dessen Erteilung ist eine Botschaft an amerikanische Beamte, dass sie die Rache des Iran für General Qassem Soleimani bis zu ihrem Tod fürchten müssen, selbst wenn die Rache 33 Jahre dauert.“

Mordaufrufe führen zu Mord

Wie beim europäischen Rechtsextremismus muss auch beim globalen Islamismus klar sein: Hetze führt zu terroristischer Gewalt, Mordaufrufe führen zu Mord. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Angriff auf Rushdie das direkte Resultat der Todesfatwa von Khomeini und ihrer aktuellen Bestätigungen durch Khamenei, den heutigen obersten Führer, ist. Das muss Konsequenzen haben: Die kooperative Appeasement-Politik gegenüber Teheran muss beendet werden. Als erster Schritt sollten die iranischen Botschaften, von denen aus immer wieder Terroranschläge geplant werden, in allen europäischen Hauptstädten geschlossen werden.