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Glosse

Keine Kaugummis, aber Brillen: Was ist mit den Jungen los?

Smartphone und Brille: Die Accessoires der Jugend von heute.(c) imago/Westend61 (imago stock&people)
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Dass Moden kommen und gehen, ist uns klar. Aber manches hätte man vor 20 Jahren nie und nimmer vorausgesehen. Erleben wir einen Epochenwandel?

Selbst scheinbar banale Objekte des Alltags sind beredte Zeugen unserer gesellschaftlichen Verfasstheit. Blicken wir 20 Jahre zurück: Dass Jugendliche auch im neuen Millennium eifrig Kaugummis kauen würden, hätte damals kaum jemand bezweifelt. Als Werkzeuge stummer Revolte schienen sie unverzichtbar: Nichts verleiht dem existenziellen Ekel in der Pubertät, dem Ennui angesichts der öden Erwachsenenwelt solch beredten Ausdruck wie die provozierend langsamen, mühlsteinartigen Bewegungen der Kieferknochen, zu der die elastisch gemachten Polymerverbindungen anregen.

Für ein anderes Utensil im juvenilen Gesichtsfeld schienen hingegen die Tage gezählt: Optische Brillen galten unter jungen Menschen seit jeher als störende Prothese. Sie strahlen Autorität, Kompetenz und sittliche Strenge aus, lauter Attribute, die Heranwachsende traditionell nicht haben, aber hassen. „Brillenschlange“ war ein geläufiges Schimpfwort.