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Mein Freitag

Heiße Sommer sind auch schön

Es ist ein heikles Bekenntnis, aber Eine muss es ja machen.

Zum Flug-Shaming ist nun das Hitze-Shaming dazu gekommen: Man traut sich gar nicht zu sagen, wie sehr einem hohe Temperaturen liegen und dass die heiße Stadt ein bisschen wie Athen wirkt, nur bedeutend leiser und sauberer. Es sei vorausgeschickt, dass damit natürlich nicht der bedrohliche Klimawandel verniedlicht werden soll und auch nicht die verheerende Trockenheit. Es ist ein heikles Bekenntnis, doch Eine muss es ja machen: Hitze ist nicht nur schlecht.

„Du kannst nicht alles ausklammern und Dir nur die guten Sachen herauspicken“, sagt meine mathematisch hervorragend gebildete Freundin, ohne die ich die Mathematik-Matura nie geschafft hätte. Was mich zu dem Argument bringt, dass gerade die Mathematiker immer jene Sachen aus ihren Systemen ausschließen, die diese ins Wanken bringen. Zum Beispiel die Null. Das bringt meine Freundin auf die Palme („du bist so unlogisch“), die es ohne Hitze hier gar nicht gäbe.

Und außerdem, meint sie: Wurde nicht vergangene Woche an ebendieser Stelle geschrieben, dass die Hitze unleidlich, streitbar und fehleranfällig („Beweis erbracht“) mache? Das stimmt, aber sie macht auch auf eine gute Weise träge und langsamer. Wir müssten nur die Lebensgewohnheiten der südlichen Ländern annehmen, also Siesta machen, die Läden schließen, leichter essen und den Männern kurze Hosen erlauben.

Selbst die Landwirte, die derzeit so leiden, denken in die Zukunft und planen andere Kulturen, Stichwort Wein. Wenn schon alles den Bach runter geht, dann zuletzt noch Mangos essen, die nicht geflogen sind, weil sie hier gedeihen können, das verringert auch den CO2-Ausstoß. Meine Freundin hört meine Argumente gar nicht mehr, sie ist schon zornig gegangen. Muss an der Hitze liegen.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com